Wortgewaltiges Highlight
Wenn mir ein Buch besonders gut gefallen hat, fällt mir das Schreiben der Rezension oft schwer. Denn dann hat das Buch Gefühle in mir ausgelöst hat, die ich selbst gar nicht so richtig in Worte fassen kann. So ging es mir auch mit „LORI“ von Anousch Mueller. Trotzdem möchte ich versuchen, euch zu erzählen, warum mich dieser Roman so bewegt hat.
Die Protagonistin Helena Ross, genannt Leni, erzählt in der Ich-Perspektive die Geschichte ihrer Familie – geprägt von den Hürden ihrer Zeit, eingebettet in die DDR, die Wendejahre und die jüngere deutsche Geschichte. Leni wächst in den 90er-Jahren als Kind einer Großfamilie im ländlichen Thüringen auf. Doch tief in ihrem Inneren begleitet sie das diffuse Gefühl, dass sie nicht die Erstgeborene ist, dass es da noch ein Kind in der Familie gegeben haben muss. Diesem Gefühl geht Helena nach.
Nach und nach setzt sie die Wahrheit zusammen, aus Erlebnissen der Gegenwart und Rückblenden, die beinahe nahtlos ineinanderfließen. Vor den Lesenden entfaltet sich eine Geschichte, die erschreckend nahbar ist. Sie erzählt von Menschen, die versuchen, in den Wirren ihrer Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen und von Schuld, die nicht immer aus Boshaftigkeit entsteht, sondern aus dem Wunsch, das Beste zu tun. Vor allem aber erzählt LORI davon, wie das Ungesagte in uns wirken kann und wie heilsam es ist, sich dem Unaussprechlichen endlich zuzuwenden. Diese Geschichte fühlt sich universell an. Sie hätte jeder Familie genau so widerfahren können.
Anousch Mueller schreibt dabei mit einer unglaublichen Wortgewalt. Sie findet Bilder für komplexe Gefühle und Stimmungen, die es leicht machen, mit den Figuren mitzufühlen und die Atmosphäre förmlich aufzusaugen. Besonders beeindruckt haben mich die Charaktere. Sie wirken lebendig und authentisch, ihre Dialoge sind so natürlich, dass sie nie konstruiert erscheinen. Auch die Familiendynamik ist eindrucksvoll gezeichnet. Allen voran der Kontrast zwischen dem überfürsorglichen Vater und der emotional abwesenden Mutter. Dadurch verstärkt sich dieses unterschwellige Gefühl, dass in dieser Familie etwas unausgesprochen geblieben ist.
Besonders mochte ich außerdem, dass nicht jede Kleinigkeit bis ins letzte Detail erklärt wird. Konsequent fragmentarisch führt uns die Autorin durch die Geschichte und hält die Spannung dabei konstant hoch. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, habe bis tief in die Nacht gelesen und selbst nach der letzten Seite hat mich dieser Roman noch lange beschäftigt.
Einziger Wermutstropfen: Ich wäre gerne noch länger in dieser Geschichte geblieben. Für mich hätten es gut und gerne noch 100 Seiten mehr sein dürfen.
Die Protagonistin Helena Ross, genannt Leni, erzählt in der Ich-Perspektive die Geschichte ihrer Familie – geprägt von den Hürden ihrer Zeit, eingebettet in die DDR, die Wendejahre und die jüngere deutsche Geschichte. Leni wächst in den 90er-Jahren als Kind einer Großfamilie im ländlichen Thüringen auf. Doch tief in ihrem Inneren begleitet sie das diffuse Gefühl, dass sie nicht die Erstgeborene ist, dass es da noch ein Kind in der Familie gegeben haben muss. Diesem Gefühl geht Helena nach.
Nach und nach setzt sie die Wahrheit zusammen, aus Erlebnissen der Gegenwart und Rückblenden, die beinahe nahtlos ineinanderfließen. Vor den Lesenden entfaltet sich eine Geschichte, die erschreckend nahbar ist. Sie erzählt von Menschen, die versuchen, in den Wirren ihrer Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen und von Schuld, die nicht immer aus Boshaftigkeit entsteht, sondern aus dem Wunsch, das Beste zu tun. Vor allem aber erzählt LORI davon, wie das Ungesagte in uns wirken kann und wie heilsam es ist, sich dem Unaussprechlichen endlich zuzuwenden. Diese Geschichte fühlt sich universell an. Sie hätte jeder Familie genau so widerfahren können.
Anousch Mueller schreibt dabei mit einer unglaublichen Wortgewalt. Sie findet Bilder für komplexe Gefühle und Stimmungen, die es leicht machen, mit den Figuren mitzufühlen und die Atmosphäre förmlich aufzusaugen. Besonders beeindruckt haben mich die Charaktere. Sie wirken lebendig und authentisch, ihre Dialoge sind so natürlich, dass sie nie konstruiert erscheinen. Auch die Familiendynamik ist eindrucksvoll gezeichnet. Allen voran der Kontrast zwischen dem überfürsorglichen Vater und der emotional abwesenden Mutter. Dadurch verstärkt sich dieses unterschwellige Gefühl, dass in dieser Familie etwas unausgesprochen geblieben ist.
Besonders mochte ich außerdem, dass nicht jede Kleinigkeit bis ins letzte Detail erklärt wird. Konsequent fragmentarisch führt uns die Autorin durch die Geschichte und hält die Spannung dabei konstant hoch. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, habe bis tief in die Nacht gelesen und selbst nach der letzten Seite hat mich dieser Roman noch lange beschäftigt.
Einziger Wermutstropfen: Ich wäre gerne noch länger in dieser Geschichte geblieben. Für mich hätten es gut und gerne noch 100 Seiten mehr sein dürfen.