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hanninanni103 Avatar

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Als ich Love, Mom aufgeschlagen habe, war ich neugierig, wie dieser Thriller – der in vielen Leser:innen-Kreisen gehypt wird – sich anfühlt, wenn man ganz nüchtern an die Sache herangeht. Die Grundidee ist stark: eine junge Frau, Mackenzie Casper, steht im Schatten ihrer berühmten Mutter, einer weltbekannten Thriller-Autorin – und nach ihrem Tod scheint auf einmal alles, was ihre Mom geschrieben und getan hat, nicht nur geheimnisvoll, sondern potenziell tödlich zu sein. Kurz darauf bekommt Mackenzie Briefe, Tagebuchseiten und Rätsel, die sie zwingen, Fragen zu stellen, niemandem mehr zu vertrauen und ihr eigenes Gefühl von Familie komplett infrage zu stellen.�
Penguin
In der ersten Hälfte war ich ehrlich gesagt eher gelangweilt. Es zieht sich. Viel Zeit wird damit verbracht, Charaktere einzuführen, familiäre Dynamiken abzutasten und ein Gefühl von Misstrauen aufzubauen. Aber der Sog, der einen wirklich packt, kommt erst viel später. Viele Leser:innen auf Reddit berichten genau dasselbe – sie fanden den Beginn zäh, fast lahm, und konnten erst nach etwa der Hälfte so richtig in die Geschichte eintauchen.� Das heißt für mich: Die Spannungskurve ist nicht gleichmäßig, sie hängt lange auf einem Niveau, das eher mühselig wirkt, statt fesselnd.
Reddit
Was ich positiv mitnehme: Sobald der Plot Fahrt aufnimmt, mit den ersten großen Enthüllungen, da funktioniert das Konzept tatsächlich gut. Die langsame Steigerung baut ein gewisses Unbehagen auf, und wenn die ersten Tagebuchseiten mehr Licht ins Dunkel bringen, setzt eine spürbare Wendung ein. Das ist der Moment, in dem man denkt: Okay, jetzt lohnt sich das Weiterlesen wirklich. Der Aufbau von Geheimnissen und das Nachlassen von scheinbar sicherem Familieneinfluss ist eigentlich ein cleverer Kniff.�
vorablesen.de
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Ausführung handwerklich stellenweise schwankt. Viele Kommentare aus Lesegruppen und Rezensionen sprechen von Plotlöchern, merkwürdigen Charakterzügen und Momenten, die sich wie willkürliche Abkürzungen anfühlen. Einige Leser:innen beklagen, dass wichtige Elemente nur angedeutet, aber nie wirklich ausgearbeitet werden – etwa Mackenzies Motivation oder gewisse Nebenhandlungen, die plötzlich auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden.� Genau das ist einer der Punkte, der mir bei meinem Leseindruck negativ hängen geblieben ist: die Balance zwischen Erwartungshaltung und Erzählqualität. Die Story verspricht viel – Geheimnisse, Verrat, dunkle Familiengeschichten – aber einige davon lösen sich am Ende eher in Luft auf, als dass sie eine tiefergehende, glaubwürdige Erklärung bekommen.
Reddit
Ein weiterer Punkt: Der Schreibstil ist funktional, aber nicht besonders herausragend. Es gibt keinen Satzbau oder sprachliche Feinheit, die einen nachhaltig beeindruckt. Für viele Leser:innen mag das kein Problem sein, weil sie auf Drehungen und Enthüllungen aus sind. Aber für mich bleibt so der Eindruck: Wenn schon ein Thriller, dann bitte auch gut erzählte Spannung, nicht nur Plot. Auch wurde in Diskussionen kritisiert, dass manche Figuren relativ blass bleiben und nicht wirklich emotional greifbar werden, was gerade in einer Geschichte über familiäre Bindung und Verrat enttäuschend ist.�
Reddit
Was hingegen wirklich funktioniert hat, war das Konzept mit den mysteriösen Briefen/Tagebuchseiten. Diese Einschübe lockern die Perspektive auf und geben der Geschichte einen Rhythmus, der mich häufiger motiviert hat, weiterzulesen. Sie geben auch der Hauptfigur Mackenzie eine Stimme jenseits des Erzählers und erlauben subtile Einblicke in die Mutter, die man sonst nur als Legende kennengelernt hätte. Dieses Element hebt sich definitiv von vielen Standard-Thrillern ab und verdient Lob, weil es Neugier weckt und für kleinere Höhepunkte sorgt.�
Penguin
Am Ende bleibt Love, Mom für mich ein gemischter Leseeindruck: Geniale Grundidee, bei einigen Strängen interessante Wendungen – aber insgesamt dramaturgisch unausgewogen. Es ist ein Buch, das bei Freund:innen von modernen Thrillern sicherlich seine Fans hat und bei denen, die Plot-Twists über Erzählkunst stellen, gut ankommt. Gleichzeitig ist es nie so konzentriert packend, wie es der Hype verspricht. Für mich heißt das: Lesen lohnt sich definitiv, aber ohne zu hohe Erwartungen an konstant hohe Spannung oder tiefgreifende Charakterarbeit.