Ich sehe großes Potenzial für Band 2

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Die Aufmachung ist wirklich fantastisch – sowohl was den Schutzumschlag als auch die Folierung auf dem Hardcover darunter angeht.

Erzählerisch nimmt die Geschichte ab der zweiten Hälfte an Fahrt auf. Gerade die Geheimnisse und Verschwörungen des Ordens gaben der Geschichte ihre Spannung. Gleichzeitig fragt man sich andauern, was Lucifers Hintergedanken sind und warum er auf gewisse Situationen derart eigenartig reagiert.

Lucifer verlieh der Geschichte die notwendige Würze: Er hat ein loses Mundwerk, ist nicht vorhersehbar und hält einen immer in Atem mit dem, was er als nächstes sagt und vorhat. Durch sein Auftauchen hat sich auch die Dynamik zwischen Jupiter und Lilian auch stark zum Besseren gewandt, weil sie endlich vielschichtiger wurde.

Der für mich ansprechendste Teil des Buches war allerdings die Entwicklung von Jupiter im Verlauf der Geschichte: Am Anfang eine absolute Green Flag, sieht man nach und nach seine Prinzipien über Bord gehen und wie er immer weiter ins Dunkle abrutscht. Nach dem Abschluss von Band 1 kann ich mir gut vorstellen, dass mich Band 2 um einiges mehr überzeugen wird, sofern dort mehr Fokus auf die charakterliche Entwicklung liegt.


Nun zu meinen Kritikpunkten:

Vorab gesagt sei hier, dass dieses Buch voraussichtlich bessere Chancen bei mir gehabt hätte, wäre das Marketing dafür anders gehandhabt worden. Ich startete mit der Erwartung in das Buch, die Protagonistin stirbt relativ zu Anfang und ab da beginnt die Geschichte wirklich. Tatsächlich aber warten wir 100 Seiten bis zur ersten großen Ereignis und knappe weitere 100 Seiten bis zum zweiten großen Ereignis. Beide Situationen wurden aber bereits vorab auf Social Media beworben und im Klappentext offen gelegt – das nahm leider für die erste Hälfte des Buches völlig die Spannung raus.

Die erste Hälfte des Buches wurde primär für das Worldbuilding genutzt und um die Lebensgeschichte der zwei Hauptfiguren aufzubauen. Dass Jupiter und Lilian etwas füreinander empfinden, wird relativ schnell klar; für mich fehlt es bei „friends to lovers“ aber meistens an der Tiefe, weil mir die Hintergrundinfos für diese entstehende Liebe fehlen. Leider ist die Beziehung zwischen Jupiter und Lilian gerade zu Anfang daher auch eher flach ausgefallen.

Lilians Charakter blieb wenig greifbar für mich. Sie hat keine wirklichen Ecken und Kanten; sie kann gut kämpfen und wurde jahrelang „unterdrückt“, ja – aber sie hat keine Eigenarten, keine wirklichen Charakterzüge. Ich hätte gerne gesehen, wie ihre seit Jahren brodelnde Wut sich unterschwellig äußert. Stattdessen gab es genau eine Szene und dieser charakterliche Absturz war innerhalb so kurzer Dauer nicht nachvollziehbar. Eine emotionale Bindung hatte ich zu Lilian leider zu keinem Zeitpunkt, sie hat sich auch selbst kaum vertieft mit ihren Handlungen und Gedanken auseinandergesetzt.


Fazit:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in diesem Fall das Problem bin und das Buch einfach nicht (mehr) zu hundert Prozent meinen Geschmack trifft bzw. vielleicht war es auch einfach der falsche Zeitpunkt dafür. Ich denke, ob dieses Buch für den jeweiligen Leser funktioniert oder nicht, liegt allein an den eigenen Präferenzen: Hier stand eher die Geschichte im Vordergrund, während ich aber lieber eine Bindung zu den Charakteren aufbauen und mich in ihren Gedanken, Emotionen, dem Zwischenmenschlichen etc. verlieren möchte. Das hat mir das Buch zeitweise leider nur schwer ermöglicht.