Zähe Triangle-Smut-Fantasy mit AgeGap

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la tina Avatar

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Eine junge Frau mit dämonischen Wurzeln stirbt bei einer Dämonenjagd und wird durch ihren Love Interest von den Toten zurückgeholt.
Das ganze Buch ist ein langgezogener Widerspruch. In einer Welt, in welcher mehrere Ableger eines Ordens die Menschen vor Dämonen beschützen wollen, wird Lilian als Tochter eines Dämons und einer Menschenfrau 25 Jahre als potentielle Gefahr hinter den Ordensmauern zu einer Dämonenjägerin ausgebildet. Sie soll also, im weiteren Sinne, ihre eigenen Verwandten jagen. Was sie zunächst auch macht, da sie all die Jahre erzählt bekam, sie sei eine wandelnde Bedrohung und dürfe nur leben, weil der Orden es ihr gnädigerweise gestattet. Durch eine mutmaßliche Intrige stirbt sie bei einem Einsatz und ihr langjähriger bester Freund, auf den sie wohl schon lange scharf ist (und er auf sie) hat nichts Besseres zu tun, als seine hochgradig geheime Nekromantie zu verwenden, um sie von den Toten zurück zu holen. Mit dem Nebeneffekt, dass sich Dämon Lucifer in seinem Körper wohnlich einrichtet.
Gleich vorweg: Das Worldbuilding tendiert gen Null, die Handlung könnte auch in irgendeiner anderen Stadt angesiedelt sein. Der Aktionsradius ist sehr stark auf Lilian und Jupiter/Lucifer und ein paar Nebenfiguren reduziert. Was es auch schnell langweilig macht. Die drei, die zugleich als Ich-Erzählende herhalten, zerdenken viel und, man glaubt es kaum, denken Infodump! Niemand erklärt sich selbst gedanklich erstmal die halbe Welt, die schon. Wobei trotzdem vieles als einfach gegeben hingenommen wird. Warum wird Lilian vom Großteil des Ordens gedisst? Ist einfach so. Dann durfte sie angeblich das Ordensgelände 25 Jahre nicht verlassen, ist aber Fan von McFlurry (Eissorte beim Mäcces), was bis zum Erbrechen wiederholt wird. Dass die Fastfood-Kette einen Lieferservice hat wäre mir neu.
Der nächste Gedanke: Warum soll eine Dämonin (ja, sie hat Hörner auf dem Kopf) ihresgleichen jagen? Warum steht sie auf einen Typen, der ihresgleichen jagt? Und warum wird hier romantisiert, dass ebendieser Typ sie von den Toten zurückholt, nur weil er das so will? In meinen Augen ist das hochgradig übergriffiges Besitzdenken.
Lucifer ist nur bedingt eine Bereicherung. Ich empfand ihn als nicht glaubwürdig dargestellt, nicht als uralten Dämon, vielmehr als flirty BadBoy, der sich mit Jupiter selbst zu den unmöglichsten Zeitpunkten gedachte Diskussionen auf Teenager-Niveau liefert. Und mit besagter 25-jährigen Protagonistin flirtet, wobei wir bei einem immensen Age Gap wären. Ansonsten verhalten sich auch diverse weitere Personen unglaubwürdig, eher der Handlung des Romans angepasst. Da der Personenkreis eh schon sehr beschränkt ist fällt dies umso stärker ins Gewicht. Selbst bei der Namensgebung in Jupiters Familie, in der die Söhne sehr aussergewöhnliche Namen bekamen, ist die Autorin erschreckend inkonsequent: Während Jupiter nach einem römischen Gott benannt wurde, hieß sein Bruder Atlas nach einem griechischen Titaten.
Stilistisch ist das Buch sehr zäh, u.a. durch den bereits erwähnten gedanklichen Infodump (der oft keinen wirklichen Mehrwert hat). Besonders in der ersten Hälfte lassen sich locker mal zwei Absätze überspringen, ohne auch nur irgendwas von der Handlung zu versäumen. Zudem verschiebt sich der Fokus in der zweiten Hälfte stark auf das Liebesdreieck Lucifer-Lilian-Jupiter. Es gibt viele explizite Szenen (wenigstens in der Smut-Version), welche für die Handlung irrelevant sind. Die erste Szene kommt sogar vor dem ersten richtigen Abenteuer vor. Und das Vokabular ist oftmals umgangssprachlich, bisweilen ins Englische tendierend. Warum sind die Kapitelüberschriften auf englisch in einer deutschen Fassung?!
Nur, weil da ein paar Dämonen vorkommen, von denen ein uralter Dämon eine AgeGap-Flirterei startet, und es ein paar Geheimnisse und Smut-Szenen gibt, kann ich das Buch nicht als Dark bestätigen. Romantasy ohne überzeugendes Worldbuilding oder komplexe Handlung käme jedoch hin.