Zwischen großartiger Idee und verschenktem Potenzial
Lucifer Ascending – One Sinful Secret von Marie Niehoff ist für mich ein unglaublich schwer zu bewertendes Buch, weil ich ziemlich sicher bin, dass ich es abgebrochen hätte, wenn ich nicht das Hörbuch gehört hätte.
Eigentlich stand dieses Buch schon länger auf meiner Wunschliste. Eine Freundin und ich hatten beide ein Auge darauf geworfen, wollten allerdings warten, bis es eine Ausgabe ohne Metallic-Farbschnitt gibt. Als sich dann eine Lesung der Autorin in ihrer Stadt angekündigt hat, habe ich sie gebeten, das Buch für mich ebenfalls zu besorgen und signieren zu lassen. Die Lesung wurde allerdings kurz vorher abgesagt, weshalb mein Exemplar bis heute ohne Signatur bei meiner Freundin liegt. Da ich trotzdem unbedingt wissen wollte, ob mich die Geschichte überzeugen kann, habe ich in der Zwischenzeit zum Hörbuch gegriffen – und rückblickend bin ich sehr froh darüber.
Das Cover gefällt mir nämlich tatsächlich richtig gut. Genau deshalb hatte das Buch überhaupt meine Aufmerksamkeit geweckt. Der Metallic-Farbschnitt dagegen ist überhaupt nicht meins. Ich mag solche Farbschnitte generell nicht besonders, weil sie beim Lesen schnell Gebrauchsspuren bekommen, und einfarbige Farbschnitte erschließen sich mir persönlich ohnehin nicht.
Denn eines muss ich direkt vorweg sagen: Die Sprecher retten dieses Buch für mich.
Chantal Busse, Louis Friedemann Thiele und vor allem Leonard Hohm machen einen großartigen Job. Alle drei tragen die Geschichte mit ihren Stimmen und holen deutlich mehr aus ihr heraus, als der Text allein für mich geschafft hätte. Gerade das Zusammenspiel zwischen Louis Friedemann Thiele und Leonard Hohm hat mir sehr gefallen. Die Sprecher des Hörbuchs haben bei mir einen zusätzlichen Stern bekommen, sonst hätte ich dieses Hörbuch noch schlechter bewertet.
Und genau deshalb fällt mir diese Rezension auch so schwer.
Denn die Grundidee dieses Buches finde ich fantastisch.
Eine Halbdämonin, die bei Dämonenjägern aufwächst. Lucifer, der einen Menschenkörper besetzt. Eine Welt, in der Dämonen, Magie und die Hölle real sind und vor 25 Jahren ein Ereignis stattgefunden hat, das alles verändert hat.
Das klingt nach einer Geschichte, die ich lieben müsste.
Leider hatte ich während des Hörens immer wieder das Gefühl, dass die Autorin nur an der Oberfläche dessen kratzt, was mit dieser Idee eigentlich möglich gewesen wäre.
Mein größter Kritikpunkt ist dabei das Worldbuilding. Immer wieder werden Dinge erwähnt, ohne dass sie wirklich erklärt werden. Die Hölle wurde geschlossen. Dämonen sind bekannt. Magie existiert offen. Aber wie genau hat das die Gesellschaft verändert? Wie funktioniert diese Welt? Welche Konsequenzen hatte das alles für die Menschen? Wo unterscheidet sich diese Realität von unserer und wo nicht?
Während des gesamten Hörbuchs hatte ich das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen. Es wirkte stellenweise beinahe so, als gäbe es eine umfangreiche Vorgeschichte, die jeder kennt – außer dem Leser.
Dadurch entstehen leider auch einige Logiklücken. Gerade rund um Lilian gab es immer wieder Momente, in denen ich mich gefragt habe, wie bestimmte Dinge überhaupt zusammenpassen sollen. Viele Fragen wirkten für mich nicht wie bewusst gesetzte Mysterien, sondern wie fehlende Informationen.
Wenn Lilian den Orden angeblich nie verlassen durfte, warum existieren dann Presseberichte und Fotos von ihr? Wie sind Journalisten überhaupt an diese Informationen gekommen? Gleichzeitig wird mehrfach betont, dass die Dämonenjäger sie verachten und möglichst wenig mit ihr zu tun haben wollen.
Wenn alle Dämonenjäger mit Ausnahme von Jupiter Lilian angeblich verabscheuen, warum ist dann bekannt, dass sie mit mehreren Dämonenjägern geschlafen hat? Gerade dieser Aspekt ihres Charakters war für mich schwer nachvollziehbar. Ich konnte nicht verstehen, warum sie sich immer wieder auf Menschen einlässt, die sie offen ablehnen und verachten, nur weil sie für diese Männer einen besonderen Reiz darstellt.
Solche Fragen haben mich immer wieder aus der Geschichte herausgerissen. Viele davon hätten sich vermutlich aufgelöst, wenn das Worldbuilding ausführlicher gewesen wäre. Stattdessen blieb bei mir häufig das Gefühl zurück, dass wichtige Informationen fehlen, die notwendig gewesen wären, um die Welt und ihre Regeln wirklich nachvollziehen zu können.
Ähnlich ging es mir leider mit den Charakteren.
Normalerweise baue ich in Büchern sehr schnell eine emotionale Verbindung zu den Figuren auf. Wenn sie leiden, leide ich mit ihnen. Wenn sie Angst haben, spüre ich diese Anspannung selbst. Wenn ihnen etwas Schlimmes passiert, trifft mich das oft so sehr, dass ich die Emotionen der Geschichte auch körperlich wahrnehme.
Bei diesem Buch ist das komplett ausgeblieben.
Zu keinem einzigen Charakter habe ich eine echte Bindung aufgebaut. Die Figuren blieben für mich zu eindimensional und dadurch auch schwer greifbar. Ich konnte ihre Entscheidungen oft nicht nachvollziehen, niemand ist mir wirklich ans Herz gewachsen und im Großen und Ganzen war mir das Schicksal der meisten Figuren überraschend egal.
Das größte Mitgefühl hatte ich tatsächlich mit den eingesperrten Dämonen.
Jupiter war mir anfangs noch am sympathischsten, wurde im Verlauf der Geschichte aber zunehmend unsympathischer. Lucifer dagegen entwickelte sich immer mehr zu der Figur, die ich tatsächlich interessant fand. Am Ende war er für mich deutlich spannender als die meisten anderen Figuren der Geschichte.
Ein weiterer Punkt, der für mich nicht funktioniert hat, war die Romance. Tatsächlich hatte ich über weite Strecken eher das Gefühl, einen „Porn with Plot“ zu hören als eine Romantasy. An Spice mangelt es diesem Buch definitiv nicht, an echter Romantik dagegen schon eher.
Mir fehlte das emotionale Zusammenspiel zwischen den Figuren. Die körperliche Anziehung wird immer wieder betont, echte Gefühle bleiben für mich dagegen erstaunlich blass. Vor allem Jupiter wirkte auf mich im Verlauf der Geschichte immer weniger wie jemand, der Lilian liebt, und immer mehr wie jemand, der sie besitzen möchte. Dadurch fiel es mir schwer, die Beziehung der beiden als romantisch wahrzunehmen oder mit ihnen mitzufiebern.
Zusätzlich konnte ich mit der Dynamik zwischen Jupiter, Lilian und Lucifer wenig anfangen. Auch wenn Jupiter und Lucifer sich einen Körper teilen, fühlte sich diese Konstellation für mich oft wie eine merkwürdige Dreiecksgeschichte an. Solche Konstellationen gehören grundsätzlich nicht zu meinen liebsten Romance-Tropes und konnten mich auch hier nicht wirklich abholen.
Gleichzeitig hatte ich häufig das Gefühl, dass einige der Spice-Szenen zu den Momenten gehören, die die Autorin unbedingt erzählen wollte. Gerade deshalb entstand bei mir stellenweise der Eindruck, dass bestimmte Szenen sehr ausführlich ausgearbeitet wurden, während andere Aspekte der Geschichte deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten haben.
Auch die Spannungskurve war für mich sehr unausgeglichen.
Der Anfang war interessant. Die letzten etwa hundert Seiten haben mir ebenfalls richtig gut gefallen und waren deutlich spannender. Dazwischen liegt allerdings ein sehr langer Mittelteil, den ich größtenteils schlicht langweilig fand. Tatsächlich würde ich dem Großteil des Buches maximal zwei Sterne geben, während das Ende die Bewertung für mich wieder etwas anhebt.
Dazu kamen die sehr langen Kapitel. Normalerweise lese ich ungern mitten in einem Kapitel aufhörend weiter, weshalb dieses Buch für mich als gedruckte Ausgabe noch schwieriger funktioniert hätte. Gerade deshalb war das Hörbuch hier die deutlich bessere Wahl.
Zusätzlich hatte ich oft das Gefühl, dass die Autorin bestimmte Szenen unbedingt erzählen wollte und die Handlung sich anschließend von einer dieser Szenen zur nächsten bewegt. Einige dieser Momente sind wirklich stark geschrieben und gehören zu den Stellen, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Vieles dazwischen wirkte auf mich allerdings eher wie Füllmaterial, das die Geschichte von einem Höhepunkt zum nächsten bringen sollte.
Dazu kam noch das Denglisch, das mich überraschend stark gestört hat. Dabei gehöre ich selbst zu den Menschen, die im Alltag ständig zwischen Deutsch und Englisch wechseln und regelmäßig denglischen. Genau deshalb hat es mich hier so überrascht. Die englischen Sätze und Formulierungen wirkten auf mich häufig unauthentisch und haben mich eher aus der Geschichte herausgerissen, als dass sie etwas dazu beigetragen hätten.
Zusätzlich habe ich nicht verstanden, warum die Kapitelüberschriften und die Beschreibungen der Tarotkarten durchgehend auf Englisch gehalten wurden. Für die Geschichte selbst hatte das aus meiner Sicht keinen erkennbaren Mehrwert. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass Leserinnen, die wenig oder gar kein Englisch sprechen, dadurch zusätzlich aus dem Lesefluss gerissen werden.
Trotzdem werde ich Band 2 hören, da ich weiterhin hoffe, dass einige der Fragen, die im Laufe dieses Buches aufgekommen sind, dort noch beantwortet werden. Ob das Buch allerdings auch als gedruckte Ausgabe in mein Regal einziehen wird, ist aktuell eher fraglich.
Die Geschichte besitzt für mich enormes Potenzial. Genau das macht diese Bewertung letztendlich so schwierig. Die Grundidee liebe ich. Die Umsetzung konnte mich über weite Strecken nicht überzeugen. Geblieben ist am Ende vor allem die Hoffnung, dass Band 2 aus den Stärken dieses Auftakts deutlich mehr macht.
Eigentlich stand dieses Buch schon länger auf meiner Wunschliste. Eine Freundin und ich hatten beide ein Auge darauf geworfen, wollten allerdings warten, bis es eine Ausgabe ohne Metallic-Farbschnitt gibt. Als sich dann eine Lesung der Autorin in ihrer Stadt angekündigt hat, habe ich sie gebeten, das Buch für mich ebenfalls zu besorgen und signieren zu lassen. Die Lesung wurde allerdings kurz vorher abgesagt, weshalb mein Exemplar bis heute ohne Signatur bei meiner Freundin liegt. Da ich trotzdem unbedingt wissen wollte, ob mich die Geschichte überzeugen kann, habe ich in der Zwischenzeit zum Hörbuch gegriffen – und rückblickend bin ich sehr froh darüber.
Das Cover gefällt mir nämlich tatsächlich richtig gut. Genau deshalb hatte das Buch überhaupt meine Aufmerksamkeit geweckt. Der Metallic-Farbschnitt dagegen ist überhaupt nicht meins. Ich mag solche Farbschnitte generell nicht besonders, weil sie beim Lesen schnell Gebrauchsspuren bekommen, und einfarbige Farbschnitte erschließen sich mir persönlich ohnehin nicht.
Denn eines muss ich direkt vorweg sagen: Die Sprecher retten dieses Buch für mich.
Chantal Busse, Louis Friedemann Thiele und vor allem Leonard Hohm machen einen großartigen Job. Alle drei tragen die Geschichte mit ihren Stimmen und holen deutlich mehr aus ihr heraus, als der Text allein für mich geschafft hätte. Gerade das Zusammenspiel zwischen Louis Friedemann Thiele und Leonard Hohm hat mir sehr gefallen. Die Sprecher des Hörbuchs haben bei mir einen zusätzlichen Stern bekommen, sonst hätte ich dieses Hörbuch noch schlechter bewertet.
Und genau deshalb fällt mir diese Rezension auch so schwer.
Denn die Grundidee dieses Buches finde ich fantastisch.
Eine Halbdämonin, die bei Dämonenjägern aufwächst. Lucifer, der einen Menschenkörper besetzt. Eine Welt, in der Dämonen, Magie und die Hölle real sind und vor 25 Jahren ein Ereignis stattgefunden hat, das alles verändert hat.
Das klingt nach einer Geschichte, die ich lieben müsste.
Leider hatte ich während des Hörens immer wieder das Gefühl, dass die Autorin nur an der Oberfläche dessen kratzt, was mit dieser Idee eigentlich möglich gewesen wäre.
Mein größter Kritikpunkt ist dabei das Worldbuilding. Immer wieder werden Dinge erwähnt, ohne dass sie wirklich erklärt werden. Die Hölle wurde geschlossen. Dämonen sind bekannt. Magie existiert offen. Aber wie genau hat das die Gesellschaft verändert? Wie funktioniert diese Welt? Welche Konsequenzen hatte das alles für die Menschen? Wo unterscheidet sich diese Realität von unserer und wo nicht?
Während des gesamten Hörbuchs hatte ich das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen. Es wirkte stellenweise beinahe so, als gäbe es eine umfangreiche Vorgeschichte, die jeder kennt – außer dem Leser.
Dadurch entstehen leider auch einige Logiklücken. Gerade rund um Lilian gab es immer wieder Momente, in denen ich mich gefragt habe, wie bestimmte Dinge überhaupt zusammenpassen sollen. Viele Fragen wirkten für mich nicht wie bewusst gesetzte Mysterien, sondern wie fehlende Informationen.
Wenn Lilian den Orden angeblich nie verlassen durfte, warum existieren dann Presseberichte und Fotos von ihr? Wie sind Journalisten überhaupt an diese Informationen gekommen? Gleichzeitig wird mehrfach betont, dass die Dämonenjäger sie verachten und möglichst wenig mit ihr zu tun haben wollen.
Wenn alle Dämonenjäger mit Ausnahme von Jupiter Lilian angeblich verabscheuen, warum ist dann bekannt, dass sie mit mehreren Dämonenjägern geschlafen hat? Gerade dieser Aspekt ihres Charakters war für mich schwer nachvollziehbar. Ich konnte nicht verstehen, warum sie sich immer wieder auf Menschen einlässt, die sie offen ablehnen und verachten, nur weil sie für diese Männer einen besonderen Reiz darstellt.
Solche Fragen haben mich immer wieder aus der Geschichte herausgerissen. Viele davon hätten sich vermutlich aufgelöst, wenn das Worldbuilding ausführlicher gewesen wäre. Stattdessen blieb bei mir häufig das Gefühl zurück, dass wichtige Informationen fehlen, die notwendig gewesen wären, um die Welt und ihre Regeln wirklich nachvollziehen zu können.
Ähnlich ging es mir leider mit den Charakteren.
Normalerweise baue ich in Büchern sehr schnell eine emotionale Verbindung zu den Figuren auf. Wenn sie leiden, leide ich mit ihnen. Wenn sie Angst haben, spüre ich diese Anspannung selbst. Wenn ihnen etwas Schlimmes passiert, trifft mich das oft so sehr, dass ich die Emotionen der Geschichte auch körperlich wahrnehme.
Bei diesem Buch ist das komplett ausgeblieben.
Zu keinem einzigen Charakter habe ich eine echte Bindung aufgebaut. Die Figuren blieben für mich zu eindimensional und dadurch auch schwer greifbar. Ich konnte ihre Entscheidungen oft nicht nachvollziehen, niemand ist mir wirklich ans Herz gewachsen und im Großen und Ganzen war mir das Schicksal der meisten Figuren überraschend egal.
Das größte Mitgefühl hatte ich tatsächlich mit den eingesperrten Dämonen.
Jupiter war mir anfangs noch am sympathischsten, wurde im Verlauf der Geschichte aber zunehmend unsympathischer. Lucifer dagegen entwickelte sich immer mehr zu der Figur, die ich tatsächlich interessant fand. Am Ende war er für mich deutlich spannender als die meisten anderen Figuren der Geschichte.
Ein weiterer Punkt, der für mich nicht funktioniert hat, war die Romance. Tatsächlich hatte ich über weite Strecken eher das Gefühl, einen „Porn with Plot“ zu hören als eine Romantasy. An Spice mangelt es diesem Buch definitiv nicht, an echter Romantik dagegen schon eher.
Mir fehlte das emotionale Zusammenspiel zwischen den Figuren. Die körperliche Anziehung wird immer wieder betont, echte Gefühle bleiben für mich dagegen erstaunlich blass. Vor allem Jupiter wirkte auf mich im Verlauf der Geschichte immer weniger wie jemand, der Lilian liebt, und immer mehr wie jemand, der sie besitzen möchte. Dadurch fiel es mir schwer, die Beziehung der beiden als romantisch wahrzunehmen oder mit ihnen mitzufiebern.
Zusätzlich konnte ich mit der Dynamik zwischen Jupiter, Lilian und Lucifer wenig anfangen. Auch wenn Jupiter und Lucifer sich einen Körper teilen, fühlte sich diese Konstellation für mich oft wie eine merkwürdige Dreiecksgeschichte an. Solche Konstellationen gehören grundsätzlich nicht zu meinen liebsten Romance-Tropes und konnten mich auch hier nicht wirklich abholen.
Gleichzeitig hatte ich häufig das Gefühl, dass einige der Spice-Szenen zu den Momenten gehören, die die Autorin unbedingt erzählen wollte. Gerade deshalb entstand bei mir stellenweise der Eindruck, dass bestimmte Szenen sehr ausführlich ausgearbeitet wurden, während andere Aspekte der Geschichte deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten haben.
Auch die Spannungskurve war für mich sehr unausgeglichen.
Der Anfang war interessant. Die letzten etwa hundert Seiten haben mir ebenfalls richtig gut gefallen und waren deutlich spannender. Dazwischen liegt allerdings ein sehr langer Mittelteil, den ich größtenteils schlicht langweilig fand. Tatsächlich würde ich dem Großteil des Buches maximal zwei Sterne geben, während das Ende die Bewertung für mich wieder etwas anhebt.
Dazu kamen die sehr langen Kapitel. Normalerweise lese ich ungern mitten in einem Kapitel aufhörend weiter, weshalb dieses Buch für mich als gedruckte Ausgabe noch schwieriger funktioniert hätte. Gerade deshalb war das Hörbuch hier die deutlich bessere Wahl.
Zusätzlich hatte ich oft das Gefühl, dass die Autorin bestimmte Szenen unbedingt erzählen wollte und die Handlung sich anschließend von einer dieser Szenen zur nächsten bewegt. Einige dieser Momente sind wirklich stark geschrieben und gehören zu den Stellen, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Vieles dazwischen wirkte auf mich allerdings eher wie Füllmaterial, das die Geschichte von einem Höhepunkt zum nächsten bringen sollte.
Dazu kam noch das Denglisch, das mich überraschend stark gestört hat. Dabei gehöre ich selbst zu den Menschen, die im Alltag ständig zwischen Deutsch und Englisch wechseln und regelmäßig denglischen. Genau deshalb hat es mich hier so überrascht. Die englischen Sätze und Formulierungen wirkten auf mich häufig unauthentisch und haben mich eher aus der Geschichte herausgerissen, als dass sie etwas dazu beigetragen hätten.
Zusätzlich habe ich nicht verstanden, warum die Kapitelüberschriften und die Beschreibungen der Tarotkarten durchgehend auf Englisch gehalten wurden. Für die Geschichte selbst hatte das aus meiner Sicht keinen erkennbaren Mehrwert. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass Leserinnen, die wenig oder gar kein Englisch sprechen, dadurch zusätzlich aus dem Lesefluss gerissen werden.
Trotzdem werde ich Band 2 hören, da ich weiterhin hoffe, dass einige der Fragen, die im Laufe dieses Buches aufgekommen sind, dort noch beantwortet werden. Ob das Buch allerdings auch als gedruckte Ausgabe in mein Regal einziehen wird, ist aktuell eher fraglich.
Die Geschichte besitzt für mich enormes Potenzial. Genau das macht diese Bewertung letztendlich so schwierig. Die Grundidee liebe ich. Die Umsetzung konnte mich über weite Strecken nicht überzeugen. Geblieben ist am Ende vor allem die Hoffnung, dass Band 2 aus den Stärken dieses Auftakts deutlich mehr macht.