Kreativ, frech und emanzipiert

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Der Kinder- und Jugendroman "Lucy Hell - Immer brav sein ist die Hölle" von Britta Sabbag - mit wirklich tollen Illustrationen von Sarah Friede - handelt von niemand geringerem als der Tochter des Teufels höchstpersönlich. Die Teufels erscheinen in dem Buch drolligerweise wie eine nahezu normale Familie.
Als Papa Teufel eines Tages abdanken möchte, freut sich seine Teenie-Tochter Lucy sehr. Denn als Einzelkind wird selbstverständlich sie seine Nachfolge antreten, oder?! Der Höllenvorstand müsste dem nur noch offiziell zustimmen - weigert sich jedoch, weil Lucy kein Junge ist!

Außer sich vor Wut reist die emanzipierte Lucy kurzerhand auf die Erde, um der gesamten Hölle zu beweisen, dass selbstverständlich auch sie als Mädchen wirklich böse sein kann. Ihr erklärtes Ziel: Böser als die menschlichen Bösewichte sein und selbige nach ihrer Pfeife tanzen lassen.
Nun gibt es auf der Erde aber nicht nur böse Bösewichte, sondern auch viel Schönes, wie zum Beispiel Lucys neue Nachbarin Marla oder den herzensguten Gabriel; ein Junge in Lucys Alter, der seine ganz eigene Anziehungskraft besitzt...
Auf ihrem Ausflug zur Erde wird Lucy von ihrem "Haustier" - lasst ihn das bloß nicht hören - Schnups begleitet, seines Zeichens "Babydrachen-Kuscheltier-Leuchtkäfer-Basilisk" (S. 89). Ein ebenso lustiger wie liebevoller Charakter, den meine Tochter direkt ins Herz geschlossen hat.

Das Buch punktet mit frecher Kreativität und einer gelungenen Mischung aus ernsthaften und lustigen Passagen. Sowohl mein Nachwuch als auch ich haben Tränen gelacht. Leider sind viele Anglizismen und einige Fremdworte im Text enthalten, die meine achtjährige Tochter definitiv nicht verstanden hat. Erstaunlicherweise hat sie dieser Umstand - nach eigenen Angaben - weder im Textverständnis noch im Lesefluss gestört. Sie möchte auf jeden Fall den zweiten Teil der Jugendbuchreihe um Lucy Hell haben, der voraussichtlich im Frühjahr 2027 erscheinen wird.
Ich würde das Buch dennoch erst ab 10 Jahren empfehlen, da vorher viele Anglizismen und Fremdworte nicht verstanden werden können und der jüngeren Leserschaft dadurch sicherlich einiges an Tiefe und Humor verborgen bleibt.

Der Roman bringt die Themen Emanzipation und Geschlechter(un)gerechtigkeit schon jungen Jugendlichen (sog. Tweens) nahe und regt zum selbständigen Nachdenken an. Für mich sehr passend und vertrauenswürdig, dass diese sensiblen Themen hier von der in Frauen-, Jugend- und Kinderliteratur bereits erfahrenen Autorin Britta Sabbag aufgegriffen wurden, die übrigens ursprünglich Sprachwissenschaften, Psychologie und Pädagogik studierte.

Der Handlungsbogen und die Charakterentwicklungen bleiben etwas flacher als nötig. Das kann SPIEGEL-Bestseller-Autorin Britta Sabbag eigentlich besser. Ich hoffe, sie und ihr Verlag erliegen nicht der modernen Versuchung, künstlich Masse statt Klasse zu produzieren, um möglichst viele Bände verkaufen zu können.

Und wenn wir einen Wunsch frei hätten, würden meine Tochter und ich uns mehr von Sarah Friedes fantastischen Illustrationen wünschen.

Fazit: Der erste Band einer Kinder- und Jugendbuchreihe rund um Lucy Hell, die Teenie-Tochter des Teufels. Kreativ, emanzipiert, humorvoll und schön frech.
Leseempfehlung für alle Tweens, die beim Lesen des Untertitels schon grinsen ;-)
Noch mehr Handlungsdichte und deutlichere Charakterentwicklungen wären wünschenswert.