Erfrischend anders

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shiva2308 Avatar

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Gestaltung:
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Schon beim Titelbild macht sich bemerkbar, dass der vierte Band sich von den anderen drei unterscheidet. Zwar dominieren nach wie vor die Farben Rot und Weiß, jedoch ist diesmal der Autorinnenname und der Reihenname in Weiß auf rotem Hintergrund statt umgekehrt.
Insgesamt ist das Hardcover wieder sehr wertig gestaltet mit Schutzumschlag, einem roten Lesebändchen und einer Karte mit den wichtigen Orten des Romangeschehens.

Inhalt:
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Sechs Studenten verbringen eine Woche Skiurlaub in Åre. Kaum sind sie in ihrem Feriendomizil angekommen, wird eine Studentin beihnahe nackt tot im Schnee gefunden. Ist sie unter Drogeneinfluss selbst dorthin gelangt und dann an Unterkühlung gestorben? Die Nacht zuvor wurde wild gefeiert. Doch als Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog den Fall untersuchen, stellt sich heraus, dass es Mord gewesen sein muss. Alle Mitglieder der Gruppe sind verdächtig, und im Laufe bei der Ermittlungen kommen zahlreiche Geheimnisse ans Licht. Entspechend wächst Misstrauen untereinander. Auch die Nachbarn des Ferienhauses verhalten sich verdächtig. Für die Ermittler beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um Schlimmeres zu verhindern.

Mein Eindruck:
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Ich bin seit langem Fan von Viveca Sten und habe neben den Sandhamn-Krimis auch die ersten drei Ahlander-Bände verschlungen. Dieser Band hebt sich erfrischend von ihrer sonstigen Erzählweise ab. Üblicherweise schildert sie abwechselnd die Gedanken des Täters und die Ermittlungen in der Gegenwart. In diesem Fall gibt es keine klassische Tätersicht. Stattdessen wechseln sich die Handlungsstränge der einzelnen Ermittler mit den parallel verlaufenden Ereignissen im Ferienhaus ab. Diese Abweichung gefiel mir sehr gut. Die Spannung leidet darunter keineswegs, im Gegenteil! Allein durch die vielen Geheimnisse, das wachsende Misstrauen innerhalb der Studentengruppe sowie das Unwissen um Täter und Motiv bleibt der Spannungsbogen durchgehend hoch, sodass ich den Krimi kaum aus der Hand legen konnte.

Hinzu kommen weitere Entwicklungen im zwischenmenschlichen Bereich der Ermittler. Hanna versucht weiterhin, ihre Gefühle für ihren Kollegen Daniel zu unterdrücken und lenkt sich mit dem reichen Investor Henry Sylvester ab, den sie im letzten Fall kennengelernt hat. Daniel weiß davon zunächst nichts. Er kämpft mit der Trennung von seiner bisherigen Lebensgefährtin Ida und dem häufigen Aufenthaltswechsel ihrer gemeinsamen Tochter Alice. Polizeikommissar Anton Lundgren steht vor der Herausforderung, seiner Familie von seinem Coming-out und seinem neuen Lebensgefährten Carl zu erzählen.
Mir gefiel diese Weiterentwicklung der Protagonisten sehr. Sie macht die Charaktere greifbarer und sympathischer. Gleichzeitig nimmt diese persönliche Ebene nicht zu viel Raum ein, sodass die Krimihandlung weiterhin im Vordergrund bleibt.

Man merkte in den drei Vorgängerbänden deutlich, welche gesellschaftskritischen Themen Frau Sten ansprechen will. Dies klingt hier nur sehr unterschwellig durch. Es geht um reiche Touristen und ihr rücksichtsloses Verhalten gegenüber Einheimischen und "nebenher" um Themen wie sexuelle Belästigung, Homophobie, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Machtgefälle innerhalb von Studentengruppen. Ich empfand den Fingerzeig darauf nicht so deutlich wie in den Vorgängerbänden.

Insgesamt ist dieser Krimi für mich fast der beste der Reihe, einfach weil er in einigen Punkten erfrischend abweicht, aber dennoch spannend und überzeugend bis zum Schluss ist und ich nach wie vor alle ermittelnden Personen sehr sympathisch finde.

Fazit:
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Erfrischend anders als die Vorgänger, fesselnd bis zum Schluss und mit stetiger Weiterentwicklung der sympathischen Ermittlercharaktere.