Sehr interessant fesselndes Buch

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natalia Avatar

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Wenn ich an „Lügennebel“ denke, spüre ich sofort wieder diese eisige Kälte aus Åre. Das Cover fängt das mit seinem kühlen, minimalistischen Design schon super ein – man weiß sofort, dass einen kein gemütlicher Kaminabend, sondern ein waschechter Nordic Noir erwartet. Was mich an diesem vierten Band besonders fasziniert hat, ist gar nicht mal so sehr der Kriminalfall an sich, sondern dieses beklemmende Gefühl in der Magengegend, das Viveca Sten durch die Gruppendynamik erzeugt.
Die Geschichte um die sechs Studenten, die in den Skiurlaub fahren und von denen einer nicht überlebt, ist psychologisch extrem stark umgesetzt. Die Figuren wirken erschreckend authentisch – gerade weil sie nicht alle sympathisch sind. Man merkt schnell, dass unter der Oberfläche dieser „perfekten“ Freundschaften tiefe Abgründe, Neid und Abhängigkeiten lauern. Dass Sten diesmal auf die Tätersicht verzichtet hat, war eine goldrichtige Entscheidung. Ich fand mich dadurch viel stärker in der Rolle der Ermittler Hanna und Daniel wieder; man tappt wortwörtlich im „Nebel“ der Lügen mit ihnen mit. Ihr Schreibstil bleibt dabei angenehm direkt und flüssig, ohne sich in unnötigen Details zu verlieren. Für mich ist das Buch deshalb so interessant, weil es zeigt, wie schnell Loyalität zerbricht, wenn es um die eigene Haut geht.