Vesna: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Westeuropa und dem ehemaligen Jugoslawien
Was für ein gelungener Einstieg! Ich finde es gibt noch immer viel zu wenig Literatur in Westeuropa über Ost- und Südosteuropa und entsprechend wenig authentische Geschichten über die Lebensrealität der Menschen, die dort lebten und leben. Diese große Lücke kann die Autorin mit dem vorliegenden Roman zumindest ein wenig füllen und ich bin ihr sehr dankbar dafür. Die Ich-Erzählerin, wird schnell klar, hadert selbst mit ihrer Herkunft und Vergangenheit sodass die Reise zu Marijas Beerdigung vermutlich auch eine Reise zu sich selbst und ihrer eigenen Vergangenheit werden wird. Neben dem Aspekt der kulturellen Prägung und Herkunft scheinen für mich bereits in der Leseprobe Klassenfragen auf, innerhalb der Region aber besonders auch innerhalb Europas, indem so viele Menschen die Region verlassen und in Westeuropa eine besser bezahlte Anstellung suchen. Zurück bleiben die Kofferkinder, großgezogen von ihren Großeltern. Welche Rolle nimmt die jung gestorbene Vesna in dieser Konstellation ein, von deren Existenz die Erzählerin zum ersten Mal auf Marijas Grabstein erfährt? Eine berührende Geschichte, die ich unglaublich gern weiterlesen würde!