Zwischen Erinnerung, Verlust und den leisen Fragen nach Herkunft

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Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, nicht einfach eine Geschichte zu lesen, sondern in ein Leben einzutauchen, das von Erinnerungen, familiären Verbindungen und unausgesprochenen Wunden durchzogen ist. Tamara Štajner schreibt mit einer Sprache, die zugleich poetisch und präzise wirkt. Viele Sätze entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern hallen nach.
Besonders berührt hat mich die Figur der Iva. Ihre Rückkehr an den Ohridsee ist weit mehr als eine Reise zu einer Beerdigung. Es ist eine Begegnung mit ihrer eigenen Vergangenheit, mit den Menschen, die sie geprägt haben, und mit den Fragen, die sie lange mit sich getragen hat. Dabei entsteht eine besondere Spannung zwischen dem, was erinnert wird, und dem, was verborgen geblieben ist.
Die Atmosphäre der Leseprobe ist dicht und eindringlich. Der Ohridsee, die Hitze, die Friedhöfe, die Gespräche im Taxi oder die Erinnerungen an die Kindheit werden so lebendig beschrieben, dass man sich selbst zwischen diesen Orten bewegt. Gleichzeitig schwingt immer eine leise Melancholie mit. Themen wie Mutterschaft, Kinderwunsch, Zugehörigkeit und familiäre Geheimnisse werden behutsam angedeutet, ohne jemals aufdringlich zu wirken.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Mischung aus Ernsthaftigkeit und feinem Humor. Gerade die Szenen rund um die Beerdigung zeigen, wie nah Tragik und Komik manchmal beieinanderliegen. Die Figuren wirken dadurch glaubwürdig und menschlich.
Nach dieser Leseprobe bleiben viele Fragen offen – vor allem rund um Marija, das unbekannte Mädchen auf dem Grabstein und die Geschichte der Familie. Genau das macht neugierig auf den weiteren Verlauf. Für mich verspricht Luft nach unten ein Roman zu werden, der von starken Frauenfiguren, generationsübergreifenden Beziehungen und den Spuren erzählt, die Herkunft und Erinnerung in einem Menschen hinterlassen.
Ein Roman, der leise beginnt, aber emotional schnell eine große Tiefe entwickelt und lange nachwirkt.