Beeindruckendes Leseerlebnis
Luft nach unten ist ein Titel, der Erwartungen nach Tiefgründigem weckt. Wer aber glaubt, hier einer psychologisch sortierten Protagonistin zu begegnen, der irrt. Iva, aus Slowenien nach Wien emigrierte Musikerin und Sängerin ist eine, durch eine schwierige Mutterbindung geprägte, leidenschaftliche Frau. Verheiratet mit Felix, einem eher charakterschwachen, charmanten aber durchaus erfolgreichen Schauspieler plant sie unnachgiebig eine Schwangerschaft, die angesichts der toxischen Beziehung der Ehepartner der Leserin eher als nicht wünschenswert erscheint. Gleichzeitig lebt sie intensiv eine Affäre mit einem verheirateten Mann und reist zur Beerdigung ihres ehemaligen Kindermädchens nach Mazedonien. Ich mache das sonst nicht, aber weil ich während der Lektüre so oft hin-und hergerissen war zwischen Abneigung gegen Iva und Felix und Mitgefühl für die erlittenen Traumata, habe ich andere Rezensionen studiert. Und auch hier fand ich die Polarisierung, die in mir entstanden ist wieder. Die einen bewundern die mitreißend, emotionale Erzählweise und die gnadenlose Kompromisslosigkeit in der Darstellung, die anderen sind so abgestoßen von Ivas Charakter, dass sie ihr nicht verzeihen wollen, dass sie egoistisch handelt und sich dramatisch inszeniert. Mangelnde Selbstreflexion und Lust am Ausagieren ihrer schwankenden Gefühle, sorgt für Unbehagen und wird von Kritikern bisweilen als unerträglich bezeichnet. Dem kann ich nicht folgen. Mein Fazit ist: ein schwungvoller Roman mit balkanisch brodelndem Personal, erzählerischer Wucht und ohne politisch korrektem Gutmenschenpersonal. Mir hat das gefallen und mich sehr gut unterhalten.