Deep Dive in die Vergangenheit

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brigitteb Avatar

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Die junge Slowenin Iva lebt als Musikerin in Wien und kehrt zurück an den Ohridsee in Mazedonien. Hier hat sie einen Grossteil der Kindheit verbracht, weil die Eltern ein Hotel betrieben haben. Grund für die Reise ist die Beerdigung ihres früheren Kindermädchens, zu der Iva ein weitaus innigeres Verhältnis hatte als zur psychisch und körperlich kranken Mutter. Auf dem Friedhof dann eine erschreckende Entdeckung: Eingraviert auf dem Grabstein ist neben dem Namen ihres Kindermädchens auch derjenige eines Mädchens, das mit sieben Jahren gestorben ist. Iva tätigt Nachforschungen und muss feststellen, dass offenbar ihr eigener Vater beim Tod des Mädchens eine Rolle gespielt hat.

Parallel dazu läuft Ivas eigenes, chaotisches Privatleben mit Beziehungsstress, Behandlungen in der Kinderwunschklinik und ausserehelicher Affäre immer mehr aus dem Ruder. Kann sie so wirklich Wurzeln schlagen?

Die Autorin schildert in unverblümter Sprache die wohl komplexesten Beziehungen aller Zeiten: diejenigen zwischen Müttern und Töchtern. Die verschiedenen Frauenfiguren aus Ivas Umfeld werden unverstellt und ohne Scham dargestellt - mit ihren unbändigen Kräften, aber auch in ihren Schwächen und dem Versagen. Die Selbstverständlichkeit, mit welcher Frauen in der Lage sind, an Mutter statt Liebe zu schenken, ist tief berührend. Wie mütterliche Abwesenheit ein Leben prägt, ebenso. Abgerundet wird der Roman mit reichlich authentischem Balkan Lifestyle. Kein einfacher Unterhaltungsroman. Ich erlebte mich durchwegs ambivalent betreffend Sympathien und Antipathien für die Protagonistin, was bei mir selten vorkommt.