Der Wunsch nach Mutterschaft wird zur Suche nach der eigenen Vergangenheit
»Luft nach Unten«, der neue Roman der in Wien lebenden, ursprünglich aus Slowenien stammenden Autorin Tamara Štajners, ist ein Buch, in dem sie sich nicht zuletzt auch literarisch ihren eigenen Wurzeln nähert. Denn ebenso wie ihre Schöpferin ist auch die Protagonistin Iva in Slowenien geboren und aufgewachsen, hat sich jedoch als Erwachsene in Westeuropa ein eigenständiges Leben aufgebaut. Im Mittelpunkt des Romans steht jedoch weit weniger die Erfahrung des Auswanderns als vielmehr das schwierige Verhältnis zwischen Tochter und Mutter oder genauer gesagt die Frage, was von dieser Beziehung überhaupt jemals vorhanden war. Iva verbrachte ihre Kindheit überwiegend mit ihrem Kindermädchen, während ihre Mutter meist nur am Rande präsent war und vor allem durch ihre Distanz sowie ihre schwierige Art auffiel. Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich eine Beziehung, die von Entfremdung und Sprachlosigkeit geprägt ist. In zahlreichen fragmentarischen Erinnerungen kehren diese Erlebnisse nun zurück, was eng damit zusammenhängt, dass Iva gemeinsam mit ihrem Partner versucht, selbst ein Kind zu bekommen, ein Wunsch, der sich auf natürlichem Weg nicht erfüllen lässt. So verknüpft der Roman auf geschickte Weise die Aufarbeitung einer beschädigten Mutter-Tochter-Beziehung mit dem tiefen Wunsch, selbst Mutter zu werden und dem eigenen Kind vielleicht das geben zu können, was der Protagonistin in ihrer Kindheit und Jugend gefehlt hat.
Dabei greift Tamara Štajners zahlreiche moderne Themen auf und verbindet persönliche Erfahrungen mit den Unsicherheiten einer Gegenwart, die von gesellschaftlichen Krisen, politischen Entwicklungen und individuellen Zukunftsängsten geprägt ist. Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und Familienplanung stehen dabei ebenso im Raum wie die Belastungen, die ein unerfüllter Kinderwunsch für eine Partnerschaft mit sich bringen kann. Zugleich schildert der Roman sehr feinfühlig, wie Erinnerungen oftmals nicht geradlinig funktionieren, sondern sich in einzelnen Bildern, Momenten und Gefühlen ihren Weg zurück ins Bewusstsein bahnen. Gerade diese Form des Erinnerns bestimmt auch die Erzählweise des Romans, der bewusst auf eine streng lineare Handlung verzichtet und stattdessen aus zahlreichen Episoden und Beobachtungen ein Gesamtbild entstehen lässt. Dadurch wirkt Ivas Suche nach den Geheimnissen ihrer Vergangenheit ebenso authentisch wie ihre Versuche, die Herausforderungen ihrer Gegenwart zu bewältigen und trotz aller Unsicherheiten eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie ihre eigene Familie einmal aussehen könnte.
Anders als zunächst vielleicht zu erwarten wäre, erzählt Tamara Štajners jedoch weit mehr als lediglich die Geschichte einer ausgewanderten Slowenin auf der Suche nach ihrer Identität oder einer schwierigen Beziehung zu einer typisch gezeichneten Mutterfigur. Vielmehr gelingt ihr ein Roman, dessen zentrale Themen weit über den konkreten kulturellen Hintergrund hinausreichen und der von Erfahrungen erzählt, die in unterschiedlichsten Lebenssituationen nachvollziehbar erscheinen. Fragen nach familiärer Prägung, emotionaler Nähe, Erinnerung und der Hoffnung auf einen Neuanfang besitzen eine Allgemeingültigkeit, die das Buch auch für Leser interessant macht, die sich weder besonders für Slowenien noch für Migrationsgeschichten interessieren.
Ein großer Wurf war vor der Lektüre vielleicht nicht unbedingt zu erwarten, doch gerade deshalb überrascht »Luft nach Unten« positiv. Wer bereit ist, sich auf diesen ruhigen, nachdenklichen Roman einzulassen, keine überhöhten literarischen Erwartungen mitbringt und einer unbekannten Autorin eine Chance geben möchte, wird mit einer sensiblen, angenehm unaufgeregten Geschichte belohnt, die zwar keine großen erzählerischen Experimente wagt, dafür aber durch ihre emotionale Ehrlichkeit und ihre nachvollziehbaren Figuren überzeugt.
Dabei greift Tamara Štajners zahlreiche moderne Themen auf und verbindet persönliche Erfahrungen mit den Unsicherheiten einer Gegenwart, die von gesellschaftlichen Krisen, politischen Entwicklungen und individuellen Zukunftsängsten geprägt ist. Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und Familienplanung stehen dabei ebenso im Raum wie die Belastungen, die ein unerfüllter Kinderwunsch für eine Partnerschaft mit sich bringen kann. Zugleich schildert der Roman sehr feinfühlig, wie Erinnerungen oftmals nicht geradlinig funktionieren, sondern sich in einzelnen Bildern, Momenten und Gefühlen ihren Weg zurück ins Bewusstsein bahnen. Gerade diese Form des Erinnerns bestimmt auch die Erzählweise des Romans, der bewusst auf eine streng lineare Handlung verzichtet und stattdessen aus zahlreichen Episoden und Beobachtungen ein Gesamtbild entstehen lässt. Dadurch wirkt Ivas Suche nach den Geheimnissen ihrer Vergangenheit ebenso authentisch wie ihre Versuche, die Herausforderungen ihrer Gegenwart zu bewältigen und trotz aller Unsicherheiten eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie ihre eigene Familie einmal aussehen könnte.
Anders als zunächst vielleicht zu erwarten wäre, erzählt Tamara Štajners jedoch weit mehr als lediglich die Geschichte einer ausgewanderten Slowenin auf der Suche nach ihrer Identität oder einer schwierigen Beziehung zu einer typisch gezeichneten Mutterfigur. Vielmehr gelingt ihr ein Roman, dessen zentrale Themen weit über den konkreten kulturellen Hintergrund hinausreichen und der von Erfahrungen erzählt, die in unterschiedlichsten Lebenssituationen nachvollziehbar erscheinen. Fragen nach familiärer Prägung, emotionaler Nähe, Erinnerung und der Hoffnung auf einen Neuanfang besitzen eine Allgemeingültigkeit, die das Buch auch für Leser interessant macht, die sich weder besonders für Slowenien noch für Migrationsgeschichten interessieren.
Ein großer Wurf war vor der Lektüre vielleicht nicht unbedingt zu erwarten, doch gerade deshalb überrascht »Luft nach Unten« positiv. Wer bereit ist, sich auf diesen ruhigen, nachdenklichen Roman einzulassen, keine überhöhten literarischen Erwartungen mitbringt und einer unbekannten Autorin eine Chance geben möchte, wird mit einer sensiblen, angenehm unaufgeregten Geschichte belohnt, die zwar keine großen erzählerischen Experimente wagt, dafür aber durch ihre emotionale Ehrlichkeit und ihre nachvollziehbaren Figuren überzeugt.