Die Kunst des wuchtigen Erzählens
Iva will ein Kind, um jeden Preis. Iva will ein Kind mit ihrem Ehemann, Felix. Als der Kinderwunsch längere Zeit unerfüllt bleibt, stresst sie jegliche Aktivität, die es zum Kindermachen braucht - die Lust ist schlicht nicht mehr wirklich vorhanden. Da kommt Gabriel ihr sehr gelegen, mit dem sie ungehemmt entspannen kann. Aber das Leben ist nie so einfach, wie man es sich ausdenken vermag - neben den körperlichen Gelüsten ist auch die familiäre Last erdrückend und steht der Erfüllung tiefgründig im Weg.
"Luft nach unten" ist ein Buch, das in seiner Rohheit verstört, das mit seiner Ehrlichkeit und Komplexität teilweise schwer zu ertragen ist. Gleichzeitig betört es aber auch mit seinem Realitätsbezug, ist so authentisch und aus dem Leben gegriffen, dass jede Zeile wahrhaftig erscheint. Und es lässt sich nicht reduzieren auf das eine Thema, denn es sind mannigfaltige Topics, die sich in die Geschichte einweben. Zentral ist zweifelsohne der unerfüllte Kinderwunsch, aber gleichsam geht es auch um Identität, um familiäre Netzwerke, um gewaltvolle Sozialisation und um die Unehrlichkeit in Beziehungen, die in diesem Buch nicht zu verurteilen sind, denn sie sind überaus menschlich und natürlich.
Besonders kurzweilig ist die wechselnde Erzählperspektive. Größtenteils wird aus der Ich-Perspektive erzählt, das Geschehen wird aus Ivas Sicht geschildert. Immer wieder sind aber auch Chatverläufe eingewoben, die zwar die Wahrnehmung Ivas stärken, aber auch andere Perspektiven - hauptsächlich jene ihrer Liebhaber - zulassen. Zudem kommt immer wieder die persönliche Anrede an Ivas Mutter ins Spiel, die die toxische Mutter-Tochter-Beziehung aufblättert und die teils zwänglerische Verhaltensweise der Protagonistin ein Stück weit erklärt.
Die Geschichte selbst spielt immer wieder mit der unklaren Identität, welche die Protagonistin durchlebt - sie selbst, Geigerin von Beruf und aufgewachsen zwischen Wien, Slowenien und ein Stück weit auch in Mazedonien, springt sie auch in der Erzählung zwischen diesen kulturellen Welten. Geprägt wurde sie von allen, fein und subtil arbeitet die Autorin diese aber anhand von kulturellen Unterschieden heraus und verordnet sie exakt darin, wo sich die Protagonistin befindet: nämlich zwischendrin.
Eine besondere Rolle nimmt - wie schon angedeutet - die Mutter-Tochter-Beziehung ein. Die Mutter verhält sich ihrer Tochter gegenüber äußerst psychisch gewaltvoll und die Tochter leidet auch im Erwachsenenalter sehr unter der dominanten und abwertenden Rolle ihrer Erzeugerin. Wenn man die Lesung bei den Bachmann-Tagen der Autorin in Erinnerung hat, kann man davon ausgehen, dass ein stark autobiographischer Anteil dieser Geschichte zugrunde liegt. Die Eltern, beide stark übergewichtig, wollten die Tochter formen, so wie sie die Gesellschaft für wertvoll genug hält, auch wenn sie selbst diesem Ideal nie genug werden würden. Die Rolle der jugoslawischen Identität - oder jener der slowenischen, mazedonischen oder österreichischen - schwelt kontinuierlich mit, ohne das ganz klar wird, ob sie tatsächlich eine so gewichtige Rolle spielt.
"Luft nach unten" ist ein äußerst forderndes Buch, das vor allem durch seine Rohheit und Irritation in der Gegensätzlichkeit von modernem Schreibstil, traditioneller Erzählweise und grundsätzlicher Bedürftigkeit nach Nähe besticht. Es glänzt durch einprägsame Bilder, Widersprüchen in kulturellen Belangen sowie der Erzählung von Grundbedürfnissen des menschlichen Seins, die sich tief ins Gedächtnis einprägen. Der Roman kommt mit einer Wucht daher, die einen umreißt und zugleich sprachlos macht und entwickelt sich stet aber unvergesslich zu einem Ereignis, das man nicht so schnell vergessen wird.
"Luft nach unten" ist ein Buch, das in seiner Rohheit verstört, das mit seiner Ehrlichkeit und Komplexität teilweise schwer zu ertragen ist. Gleichzeitig betört es aber auch mit seinem Realitätsbezug, ist so authentisch und aus dem Leben gegriffen, dass jede Zeile wahrhaftig erscheint. Und es lässt sich nicht reduzieren auf das eine Thema, denn es sind mannigfaltige Topics, die sich in die Geschichte einweben. Zentral ist zweifelsohne der unerfüllte Kinderwunsch, aber gleichsam geht es auch um Identität, um familiäre Netzwerke, um gewaltvolle Sozialisation und um die Unehrlichkeit in Beziehungen, die in diesem Buch nicht zu verurteilen sind, denn sie sind überaus menschlich und natürlich.
Besonders kurzweilig ist die wechselnde Erzählperspektive. Größtenteils wird aus der Ich-Perspektive erzählt, das Geschehen wird aus Ivas Sicht geschildert. Immer wieder sind aber auch Chatverläufe eingewoben, die zwar die Wahrnehmung Ivas stärken, aber auch andere Perspektiven - hauptsächlich jene ihrer Liebhaber - zulassen. Zudem kommt immer wieder die persönliche Anrede an Ivas Mutter ins Spiel, die die toxische Mutter-Tochter-Beziehung aufblättert und die teils zwänglerische Verhaltensweise der Protagonistin ein Stück weit erklärt.
Die Geschichte selbst spielt immer wieder mit der unklaren Identität, welche die Protagonistin durchlebt - sie selbst, Geigerin von Beruf und aufgewachsen zwischen Wien, Slowenien und ein Stück weit auch in Mazedonien, springt sie auch in der Erzählung zwischen diesen kulturellen Welten. Geprägt wurde sie von allen, fein und subtil arbeitet die Autorin diese aber anhand von kulturellen Unterschieden heraus und verordnet sie exakt darin, wo sich die Protagonistin befindet: nämlich zwischendrin.
Eine besondere Rolle nimmt - wie schon angedeutet - die Mutter-Tochter-Beziehung ein. Die Mutter verhält sich ihrer Tochter gegenüber äußerst psychisch gewaltvoll und die Tochter leidet auch im Erwachsenenalter sehr unter der dominanten und abwertenden Rolle ihrer Erzeugerin. Wenn man die Lesung bei den Bachmann-Tagen der Autorin in Erinnerung hat, kann man davon ausgehen, dass ein stark autobiographischer Anteil dieser Geschichte zugrunde liegt. Die Eltern, beide stark übergewichtig, wollten die Tochter formen, so wie sie die Gesellschaft für wertvoll genug hält, auch wenn sie selbst diesem Ideal nie genug werden würden. Die Rolle der jugoslawischen Identität - oder jener der slowenischen, mazedonischen oder österreichischen - schwelt kontinuierlich mit, ohne das ganz klar wird, ob sie tatsächlich eine so gewichtige Rolle spielt.
"Luft nach unten" ist ein äußerst forderndes Buch, das vor allem durch seine Rohheit und Irritation in der Gegensätzlichkeit von modernem Schreibstil, traditioneller Erzählweise und grundsätzlicher Bedürftigkeit nach Nähe besticht. Es glänzt durch einprägsame Bilder, Widersprüchen in kulturellen Belangen sowie der Erzählung von Grundbedürfnissen des menschlichen Seins, die sich tief ins Gedächtnis einprägen. Der Roman kommt mit einer Wucht daher, die einen umreißt und zugleich sprachlos macht und entwickelt sich stet aber unvergesslich zu einem Ereignis, das man nicht so schnell vergessen wird.