Eine Spurensuche im ehemaligen Jugoslawien

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Iva (36), eigentlich Ivica, wohnt mit Felix (45), ihrem Mann, in Wien. Doch jetzt, im Sommer 2025, muss die Musikerin nach Ohrid in Nordmazedonien reisen, zur Beerdigung von Marija Zajc, ihrem früheren Kindermädchen. Sie soll im Alter von 65 Jahren plötzlich ertrunken sein. Seit Jahren hatten sich die beiden nicht mehr gesehen. Dennoch ist Iva der Abschied wichtig. Das Wiedersehen alter Bekannter und das Aufeinandertreffen mit bis dato fremden Menschen weckt bei Iva nicht nur Erinnerungen, sondern bringt auch neue Einsichten und Erkenntnisse. Sie macht sich auf eine Spurensuche, im wörtlichen und im übertragenen Sinne…

„Luft nach unten“ ist ein Roman von Tamara Štajner.

Die Geschichte setzt sich aus 35 Kapiteln zusammen, eingerahmt von einem Prolog und einem Epilog. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Iva.

Thematisch ist der Roman vielschichtiger als erwartet. Es geht um einen unerfüllten Kinderwunsch und um Mutterschaft. Beleuchtet wird auch die Beziehung von Müttern zu ihren Töchtern und die damit verbundenen Konflikte, die entstehen können. Zudem spielen Herkunft und Migration eine zentrale Rolle. Neben diesen wichtigsten Themen werden noch viele weitere angeschnitten.

Leider wurde ich mit der ambivalenten gestalteten, oft widersprüchlich agierenden und innerlich zerrissenen Protagonistin überhaupt nicht warm. Obgleich ihr Denken und Fühlen gut deutlich werden, konnte ich ihr Verhalten zumeist nicht ganz nachvollziehen. Besonders ihre Lügen, Tricksereien und Heimlichkeiten haben mich zunehmend gestört.

Auf den rund 300 Seiten ist die Handlung überwiegend kurzweilig und durchweg plausibel. Immer wieder tauchen überraschende, neue Informationen auf.

Die Sprache des Romans ist anschaulich, teils atmosphärisch, immer wieder bildstark und eindrücklich. Leider erschlossen sich mir die slowenischen, mazedonischen, kroatischen und sonstigen fremdsprachigen Einstreuungen, die nicht übersetzt werden, oft nicht. Ohne Ortskenntnisse des ehemaligen Jugoslawiens fiel es mir außerdem an manchen Stellen schwer, den Details der Geschichte zu folgen.

Das künstlerisch anmutende Covermotiv sticht positiv aus der Masse hervor. Allerdings stellt sich für mich nur ein vager Bezug zum Text dar. Der kreative, einzigartige Titel passt gut.

Mein Fazit:
„Luft nach unten“ von Tamara Štajner ist ein unterhaltsamer und vielschichtiger Roman mit interessanten Themen. Leider hat mich die Geschichte aber nicht in allen Punkten überzeugt.