In Zwischenwelten

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Der zweite Roman „Luft nach unten“ von Tamara Štajner besticht durch eine bewegende Familiengeschichte zwischen Österreich und Mazedonien – die sensibel-impulsive Protagonistin Iva kämpft zwischen zwei Lieben, einem unerfüllten Kinderwunsch und der nie vorhandenen Zuneigung ihrer Mutter, was sie ein Leben lang begleitet.

Iva scheint nach außen roh und grob, doch innerlich brodeln viele unterdrückte Gefühle und intensive Gedankengänge. Nach vielen Jahren kehrt sie in ihre ursprüngliche Heimat am Ohridsee in Nordmazedonien zurück, um der Beerdigung ihres Kindermädchens beizuwohnen, der sie sehr nahe stand. Neben einem kleinen Familiengeheimnis kommt Iva ihrer eigenen Familiengeschichte mit weitergegebenen Traumata und Prägungen näher. Starke, wütende Frauen aus mehreren Generationen stehen im emotionalen Roman im Vordergrund und ihre vielschichtigen Verflechtungen miteinander. Einfühlsam wird Ivas Charakter nachgezeichnet und wie sie in ihrem Leben noch in einer Zwischenwelt mit verschiedenen Optionen steckt und die erfolglose Kinderwunschbehandlung die Beziehung belastet. Vieles wurde in ihrer Familie früher nicht ausgesprochen und schwelt im gegenwärtigen Handeln weiter.

„Luft nach unten“ entwickelt schnell einen fesselnden Sog – poetische Beschreibungen der Natur und von zwischenmenschlichen Beziehungen wechseln mit unterhaltsamen Handychats oder ergreifenden Briefe an die Mutter, die nie abgeschickt wurden. Tamara Štajner verwebt gekonnt Vergangenheit mit Gegenwart und erzählt von menschlichen Sehnsüchten nach Nähe und Verbundenheit, aber auch von Loslassen und autark sein – mal zärtlich, mal rau und zwischen Humor und Melancholie. Dabei kommt viel mazedonisches sowie slowenisches Lokalkolorit und ehemalige jugoslawische Geschichte dazu. Ein lesenswerter Roman, der auch durch die fein komponierte Sprache überzeugt.