Klangkollektiv
Iva lebt in Wien, verdient ihren Lebensunterhalt als Musikerin beim Klangkollektiv, ist mit dem Schauspieler Felix verheiratet, steckt in einer zermürbenden Kinderwunschbehandlung und pflegt eine geheime Affäre mit Gabriel, einem Galeristen aus Berlin. Iva ist eine Romanfigur, die mir so unsympathisch wie lange keine mehr war. Furienhafte Wutausbrüche, die grenzüberschreitende Verletzungen bergen, sind gegenüber Ehemann und Geliebten an der Tagesordnung und werden, schwer nachzuvollziehen, relativ klaglos hingenommen. Ihr Wunsch nach einem Kind nimmt obsessive Züge an, kippt aber auch schnell ins pure Gegenteil und zeigt einen ungemeinen Egoismus. Sprunghaft und launisch steuert sie durch ihre Tage. Als ihr ehemaliges Kindermädchen Marija, eine Frau in den 60ern, im Ohridsee ertrinkt, fliegt sie für einen Kurzbesuch am Ohridsee ein, um dort in letzter Minute angekommen, kategorisch und divenhaft die Öffnung des Sarges zu verlangen, der schon zur Beerdigung bereit steht. An der Beerdigung erfährt sie, dass Marjia eine kleine Tochter namens Vesna hatte, die ebenfalls ertrunken ist und deren Asche jetzt mit der Mutter beigesetzt wird. Das Hotel am Ohridsee, das ehedem der Familie gehörte, ist der Brückenschlag zu den Eltern von Iva. Das Verhältnis ist getrübt und von großer Distanz gekennzeichnet. Wie sich diese ganzen Erzählstränge, die allesamt höchst konfliktreich sind, weiterentwickeln, was es mit der alten Geheimnisträgerin Slava und deren Enkeltochter auf sich hat, ist spannend zu lesen, wenn auch das Verhalten der einzelnen Personen für mich psychologisch betrachtet oft schwer nachzuvollziehen ist und nicht glaubwürdig wirkt.