Mütter und Töchter - manchmal eine toxische Beziehung
Die im Buch beschriebenen Situationen und Dialoge zwischen den Protagonisten sind teilweise so schräg, dass sie schon wieder gut sind. Gleich zu Anfang sitzt der zahlende Gast hinten im Taxi eingeengt, während die Ehefrau vorne sitzt, niemand stellt diese Situation in Frage. Und so geht es weiter. Am Friedhof spielt sich auch solch eine schräge Szene ab. Iva will ihre verstorbene Kinderfrau noch einmal sehen, sie hat in ihrer Kindheit mit ihr mehr Zeit verbracht, als mit ihrer Mutter. Sargträger und Priester sind dagegen, aber Iva, mit Slavas Unterstützung, setzt die unautorisierte Sargöffnung durch.
Schräg ist auch, Iva will mit ihrem Ehemann Felix mit aller Macht mittels künstlicher Befruchtung ein Kind bekommen und bedrängt Felix endlich eine Spermienprobe anzugeben. Gleichzeitig aber textet sie mit Gabriel, ihrem Geliebten und ist eifersüchtig auf dessen Ehefrau. Schräg ist auch der feueralarm im Hotel während Iva mit Gabriel im Zimmer Sex hat.
Das Lachen verging mir aber, als Iva selbst zu Wort kommt, von ihrer vermurksten Kindheit erzählt, eine Erzählung wie im “Stream of Consciousness", alternierend mit Ivas innerem Monolog mit ihrer Mutter. Die Mutter hat die Kindheit und Jugendzeit ihrer Tochter hindurch das Kind immer bloßgestellt, ihr ins Gesicht gesagt, ihr Leben wäre ohne die Tochter besser und einfacher gewesen. “Es war besser, als es dich nicht gab” (S.291). Das muss ein Kind erst mal wegstecken. Als Iva in die Pubertät kommt, schreit die Mutter sie an, sie wäre zu dick, zu fett, sie würde niemals einen Mann finden, usw. Es sind richtig harte Szenen, die Iva das Gefühl geben, nicht geliebt zu werden. Der Vater, der alles mit ansehen muss, wagt nicht einzugreifen, um seine Frau nicht noch mehr zu erzürnen. Wie ist Iva so aufgewachsen? Ihr Lichtblick waren die Ferien, die sie mit und bei Slava in Mazedonien am Ohridsee verbringen durfte. Aber das waren ein paar Wochen im Jahr, danach war sie wieder der Furie ausgeliefert. Dabei liebt sie ihre Mutter, wie alle Kinder programmiert sind, ihre Eltern zu lieben. Ob Vera diese Liebe verdient, mag dahingestellt sein. Letztendlich können sich Mutter und Tochter aussprechen. Wegen dieses zwiespältigen Verhältnis zu ihrer Mutter will Iva mit aller Macht ein Kind, dann doch nicht. Iva hat Angst, so wie ihre Mutter zu werden. Und das will sie keinem Kind zumuten. Sie lässt eine Blastozyte kryokonservieren, für einen späteren Zeitpunkt, wenn sie mehr mit sich und der Welt im Reinen ist. Iva ist auf dem besten Weg dahin. Sie arbeitet an einem neuen Song, der ihr helfen wird. SIe schreibt von “ wir nabeln uns durch die zeit / staffellauf von müttern zu töchtern / das narrenschiff der weiblichkeit…” (S 329) Es klingt wie ein Siegesruf und Befreiungsschrei, Lebensbejahend und der Mutter verzeihend.
Dieser Szenenwechsel, mal schräg, mal hart und schrecklich, oder schlicht und einfach normal, wie ihr Umgang mit Karmela, machen den unnachahmlichen Stil des Buches aus. Die vielen Sätze in kroatisch oder makedonisch, die im folgenden Satz kommentarlos in deutscher Sprache wiederholt werden, geben Ivas Bericht etwas Authentisches, Ursprüngliches.
Schräg ist auch, Iva will mit ihrem Ehemann Felix mit aller Macht mittels künstlicher Befruchtung ein Kind bekommen und bedrängt Felix endlich eine Spermienprobe anzugeben. Gleichzeitig aber textet sie mit Gabriel, ihrem Geliebten und ist eifersüchtig auf dessen Ehefrau. Schräg ist auch der feueralarm im Hotel während Iva mit Gabriel im Zimmer Sex hat.
Das Lachen verging mir aber, als Iva selbst zu Wort kommt, von ihrer vermurksten Kindheit erzählt, eine Erzählung wie im “Stream of Consciousness", alternierend mit Ivas innerem Monolog mit ihrer Mutter. Die Mutter hat die Kindheit und Jugendzeit ihrer Tochter hindurch das Kind immer bloßgestellt, ihr ins Gesicht gesagt, ihr Leben wäre ohne die Tochter besser und einfacher gewesen. “Es war besser, als es dich nicht gab” (S.291). Das muss ein Kind erst mal wegstecken. Als Iva in die Pubertät kommt, schreit die Mutter sie an, sie wäre zu dick, zu fett, sie würde niemals einen Mann finden, usw. Es sind richtig harte Szenen, die Iva das Gefühl geben, nicht geliebt zu werden. Der Vater, der alles mit ansehen muss, wagt nicht einzugreifen, um seine Frau nicht noch mehr zu erzürnen. Wie ist Iva so aufgewachsen? Ihr Lichtblick waren die Ferien, die sie mit und bei Slava in Mazedonien am Ohridsee verbringen durfte. Aber das waren ein paar Wochen im Jahr, danach war sie wieder der Furie ausgeliefert. Dabei liebt sie ihre Mutter, wie alle Kinder programmiert sind, ihre Eltern zu lieben. Ob Vera diese Liebe verdient, mag dahingestellt sein. Letztendlich können sich Mutter und Tochter aussprechen. Wegen dieses zwiespältigen Verhältnis zu ihrer Mutter will Iva mit aller Macht ein Kind, dann doch nicht. Iva hat Angst, so wie ihre Mutter zu werden. Und das will sie keinem Kind zumuten. Sie lässt eine Blastozyte kryokonservieren, für einen späteren Zeitpunkt, wenn sie mehr mit sich und der Welt im Reinen ist. Iva ist auf dem besten Weg dahin. Sie arbeitet an einem neuen Song, der ihr helfen wird. SIe schreibt von “ wir nabeln uns durch die zeit / staffellauf von müttern zu töchtern / das narrenschiff der weiblichkeit…” (S 329) Es klingt wie ein Siegesruf und Befreiungsschrei, Lebensbejahend und der Mutter verzeihend.
Dieser Szenenwechsel, mal schräg, mal hart und schrecklich, oder schlicht und einfach normal, wie ihr Umgang mit Karmela, machen den unnachahmlichen Stil des Buches aus. Die vielen Sätze in kroatisch oder makedonisch, die im folgenden Satz kommentarlos in deutscher Sprache wiederholt werden, geben Ivas Bericht etwas Authentisches, Ursprüngliches.