Scheidung! Jetzt!

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wolfram Avatar

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Felix hätte schon nach dem ersten Drittel des Buches das tun sollen, was ich noch bis zur Hälfte der Seiten hinausgezögert habe: Sich von Iva bzw. dem Buch zu trennen.

Das Buch "Luft nach unten" wird beschrieben aus dem Gedankenstrom von Iva, die in Wien wohl recht erfolgreich als Musikerin arbeitet. Aber so viele Probleme hat!
Sie beschimpft ihren Mann Felix aufs Furchtbarste über Messenger, unterstellt ihm Lügen - während sie parallel mit Gabriel chattet, mit dem sie ein heimliches Verhältnis hat.

Immer wieder drückt ihr schlechtes Gewissen durch, ihr Selbsthass, den ihr ist die Ambivalenz absolut bewusst.

Teile des Buches richten sich an ihre Mutter, zudem sie ein recht schwieriges Hassliebe-Verhältnis hat, der sie offenbar ihre ganze Geschichte erzählt.

Irgendwie versucht Tamara Stajner zu begründen, warum Iva so handelt wie sie handelt - ihre Mutter, aus Frust fett gefressen, machte nie ein Geheimnis draus, dass ihr Leben ohne Iva besser gewesen wäre. Warum, wird nicht erklärt.

Trotzdem ist es unerträglich, dieses Verhalten seitenweise zu lesen. Diese Demütigungen in der Öffentlichkeit, wenn Iva Felix zusammenbrüllt. Dieses Gaslighting, das Fertigmachen und Kleinmachen, bis Felix wie ein geschlagener Hund ihr wieder hinterherläuft.
Das Verhältnis mit dem verheirateten Gabriel, das offenbar aus Love Bombing besteht, aus gegenseitiger Abhängigkeit und dann wieder strategischer Funkstille, ist ebenso unerträglich. Seitenweise Beleidigungen schreibt Iva da, weil Gabriel mal wieder zu lange still war und ihr Kopfkino durchdreht. Dann löscht sie die Nachrichten, bevor er sie lesen konnte und antwortet nicht auf "Was hast du da gelöscht?".

Die Rahmenhandlung in der ersten Hälfte ist, dass Iva nach Osteuropa reist zur Beerdigung ihrer Kinderfrau (?). Am Grab verlangt sie lautstark, den Sarg zu öffnen, um das wenig ansehnliche Gesicht der Ertrunkenen anzusehen. Fremdscham pur.

Was immer auch der (hoffentlich nicht autobiographisch inspirierte) Grund für dieses psychopathische Verhalten Ivas ist, wie sehr auch Schuldfortweisungen probiert werden (ich bin ja nur so, weil meine Mutter...), die Lust und die Bewusstheit, mit der Iva ihre Wut zelebriert, sind für den Leser unaushaltbar.