Schwierige Situationen

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emmmbeee Avatar

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Es ist auffallend, dass seit ein, zwei Jahren viele Romane veröffentlicht worden sind, welche damit beginnen, dass ein Familienmitglied jüngst gestorben und darum ein Angehöriger in seine alte Heimat zurückgekehrt ist. So auch bei „Luft nach unten“, nur dass es diesmal um ein totes Kindermädchen geht. Und ja, auch dieser Teil Europas taucht nun häufiger in der Literatur auf: der Balkan. Das begrüße ich, denn so lernt der Leser ein bisher noch wenig beschriebenes Gebiet Europas kennen.
Frauen aus verschiedenen Generationen treffen aufeinander, deren Leben ganz unterschiedlich verläuft, und die verschiedene Ziele haben. Aber immer bemühen sie sich, das Möglichste zu tun, um sich in den neuen Ländern von Ex-Jugoslawien zu behaupten. Auch die einzelnen Mutter-Tochter-Beziehungen, und es werden mehrere geschildert, unterscheiden sich voneinander und sind sich doch immer ähnlich in ihrer Struktur.
Mir gefällt bereits der Einstieg mit etlichen kleinen Geschichten, durchaus versetzt mit Skurrilität und Humor. Denn daneben läuft gleich zu Beginn der SMS-Streit zwischen Iva und ihrem Mann, der seine Samenprobe im Labor abgeben sollte. Die Protagonistin versuchte nämlich bisher vergeblich, schwanger zu werden. Nun möchte sie es mit künstlicher Befruchtung versuchen, was ihrem Felix nicht sehr behagt.
So laufen zwei Handlungslinien nebeneinanderher, was einen locker-fröhlichen Ablauf bewirkt. Außerdem ist da noch Gabriel, von dem lange Zeit nicht recht klar wird, was für eine Rolle er in Ivas Leben spielte.
Dazwischen immer wieder eine stumme Ansprache an die Mutter, der sie sich offenbar anders nicht mehr nähern kann. An einer Stelle schien es mir sogar, dass sie sich an ihr bisher noch ungezeugtes Kind wendet. Dann wieder wird in der 3. Person erzählt.
Im Text sind viele slowenische Einschübe. Manchmal hätte mich schon interessiert, was nun genau gesagt wurde, aber eine Übersetzung oder ein Glossar fehlt leider. Der Sprachstil passt sich der jeweiligen Situation an, das Narrativ präsentiert sich denn auch teils fröhlich, teils dramatisch, teils äußerst aggressiv.
Ein Roman, der zum Nachdenken über eigene Beziehungen anregt und den persönlichen Horizont in mehrfacher Hinsicht erweitert.