Über die Komplexität von Mutter-Tochter-Beziehungen und den eigenen Wunsch nach Familie

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Als Marija stirbt, fliegt Iva zurück zum Hotel Metropolis an der Grenze zwischen Albanien und Nordmazedonien.
Dort wuchs sie als Kind auf, Marija passte häufig auf sie auf, während ihre Eltern anderweitig beschäftigt waren.
Eine Reise in die Vergangenheit tut sich auf, Erinnerungen und neue Fakten drängen an die Oberfläche. Während sie die Beziehung zu ihrer Mutter reflektiert, ist Iva mit ihrem eigenen Kinderwunsch beschäftigt und weiß nicht mehr wohin mit sich und ihren aufkochenden Emotionen.
In „Luft nach unten" erzählt Tamara Stajner im bissigen und unterhaltsamen Ton von Iva und ihrer Mutter, die seit frühester Kindheit ein schwieriges Verhältnis haben.
Zwischen Liebe und Wut bleibt viel Platz fur nuancierte Gedanken, eine Sehnsucht nach der eigenen Mutter und gleichzeitig ein Abgestoßensein und eine dringend benötigte Distanz. Im Hotel ihrer Kindheit nähert sie sich den Verbliebenen an und schafft sich damit ein neues Stuck Familie.
Dazu nimmt der Kinderwunsch einen großen Raum der Geschichte ein, der geradezu absurde scheint, wenn man die toxische Dynamik voller ausufernder Streits und Versöhnung zwischen Iva und ihrem Mann Felix beobachtet. Zwischen Wien und dem Ohridsee bleibt Iva rastlos, haltlos und irgendwo auch ziellos, da sie selber nicht genau zu wissen scheint, was sie eigentlich will und braucht.
Die roadtripartige Geschichte um Iva hat mich gut abgeholt, auch wenn ich die Eingangsprämisse etwas irreführend fand, da Marija als „Kindermädchen" gar nicht groß im Fokus steht. Vielmehr geht es um die Komplexität von Mutter-Tochter-Beziehungen, den eigenen Wunsch nach Familie, wie auch immer diese aussehen mag, und das Spannungsfeld des ehemaligen Jugoslawiens. Dafür schafft die Autorin eine ganz eigene, interessante Erzählstimme, die für mich die Themen in eine unterhaltsame und vielschichtige Geschichte gepackt hat.