Über Zerrissenheit und Entfremdung angesichts von Krisen
Dieses Buch gehört zu denen, bei denen man etwas anderes erwartet, wenn man den Text auf der Rückseite des Buches und den Klappentext liest, als man dann tatsächlich bekommt. Angekündigt ist ein Familiengeheimnis im Zusammenhang mit dem verstorbenen ehemaligen Kindermädchen der Hauptfigur Iva, sowie das Mutter- und Tochter-Sein als zentrales Thema. Beides kommt im Roman zwar vor, im Zentrum stehen aber ganz andere Geschichten.
Iva ist eine junge Frau mit Wurzeln aus dem ehemaligen Jugoslawien, sie spricht neben Deutsch auch Kroatisch und Slowenisch, ist in Slowenien aufgewachsen und besucht nun anlässlich des vermutlichen Suizides ihres ehemaligen Kindermädchens dessen Begräbnis am Ohrid-See in Nordmazedonien. So beginnt das Buch und die Handlung. Weitere bedeutende Orte für das Buch sind Wien, wo die Hauptfigur mit ihrem Mann lebt und sich in bisher erfolgloser Kinderwunschbehandlung befindet, sowie Slowenien, wo ihre Eltern leben und sie anlässlich einer akuten Erkrankung der Mutter hinreisen wird.
"Luft nach unten" ist ein vielschichtiges Buch, das verschiedenste Themen verhandelt: gut spürbar ist die Atmosphäre bei den Reisen in die verschiedenen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, bei denen auch viele einzelne Phrasen und Teile der Dialoge auf Kroatisch und Slowenisch wiedergegeben werden.
Da ich über Sprachkenntnisse verfüge, die mir ermöglicht haben, all diese Phrasen und Sätze zu verstehen, hat es für mich zur Authentizität der Lektüre beigetragen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Leserinnen und Leser ohne Kenntnisse südslawischer Sprachen davon ein bisschen genervt sein könnten - Fußnoten oder Übersetzungen gibt es nämlich keine dazu.
Das Buch liest sich insgesamt gut und unterhaltsam und die Situation in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens und damit verbundene Themen - etwa die Emigration vieler gut ausgebildeter junger Menschen in die immer noch mehr Wohlstand versprechenden Länder Mittel-, West- und Nordeuropas, während die Großeltern sich um deren zurückgelassene Kinder kümmern - ist authentisch dargestellt, genauso wie die Zerrissenheit zwischen verschiedenen Kulturen und Zeiten, und damit verbundene familiäre Herausforderungen, sowie die Entfremdung, die eine über Jahre gehende erfolglose Kinderwunschbehandlung oft bei Paaren bewirkt.
Ganz schön viele Themen, die aber geschickt so miteinander verflochten sind, dass es auf mich nicht konstruiert wirkte und es insgesamt ein Buch ist, das zum Nachdenken anregt und das ich außerdem sehr gerne gelesen habe. Ein bisschen enttäuschend war für mich nur der Schluss, der die Handlung nach meinem Geschmack nicht ganz so über die Ziellinie gebracht hat, wie ich es mir erwünscht hätte, und einiges offen gelassen hat.
Empfehlen kann ich das Buch insbesondere allen, die sich für die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens und für das Thema Kinderwunschbehandlung - letzteres bekommt im Buch sehr viel Raum, mehr als alles andere - interessieren.
Iva ist eine junge Frau mit Wurzeln aus dem ehemaligen Jugoslawien, sie spricht neben Deutsch auch Kroatisch und Slowenisch, ist in Slowenien aufgewachsen und besucht nun anlässlich des vermutlichen Suizides ihres ehemaligen Kindermädchens dessen Begräbnis am Ohrid-See in Nordmazedonien. So beginnt das Buch und die Handlung. Weitere bedeutende Orte für das Buch sind Wien, wo die Hauptfigur mit ihrem Mann lebt und sich in bisher erfolgloser Kinderwunschbehandlung befindet, sowie Slowenien, wo ihre Eltern leben und sie anlässlich einer akuten Erkrankung der Mutter hinreisen wird.
"Luft nach unten" ist ein vielschichtiges Buch, das verschiedenste Themen verhandelt: gut spürbar ist die Atmosphäre bei den Reisen in die verschiedenen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, bei denen auch viele einzelne Phrasen und Teile der Dialoge auf Kroatisch und Slowenisch wiedergegeben werden.
Da ich über Sprachkenntnisse verfüge, die mir ermöglicht haben, all diese Phrasen und Sätze zu verstehen, hat es für mich zur Authentizität der Lektüre beigetragen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Leserinnen und Leser ohne Kenntnisse südslawischer Sprachen davon ein bisschen genervt sein könnten - Fußnoten oder Übersetzungen gibt es nämlich keine dazu.
Das Buch liest sich insgesamt gut und unterhaltsam und die Situation in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens und damit verbundene Themen - etwa die Emigration vieler gut ausgebildeter junger Menschen in die immer noch mehr Wohlstand versprechenden Länder Mittel-, West- und Nordeuropas, während die Großeltern sich um deren zurückgelassene Kinder kümmern - ist authentisch dargestellt, genauso wie die Zerrissenheit zwischen verschiedenen Kulturen und Zeiten, und damit verbundene familiäre Herausforderungen, sowie die Entfremdung, die eine über Jahre gehende erfolglose Kinderwunschbehandlung oft bei Paaren bewirkt.
Ganz schön viele Themen, die aber geschickt so miteinander verflochten sind, dass es auf mich nicht konstruiert wirkte und es insgesamt ein Buch ist, das zum Nachdenken anregt und das ich außerdem sehr gerne gelesen habe. Ein bisschen enttäuschend war für mich nur der Schluss, der die Handlung nach meinem Geschmack nicht ganz so über die Ziellinie gebracht hat, wie ich es mir erwünscht hätte, und einiges offen gelassen hat.
Empfehlen kann ich das Buch insbesondere allen, die sich für die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens und für das Thema Kinderwunschbehandlung - letzteres bekommt im Buch sehr viel Raum, mehr als alles andere - interessieren.