Zwischen Wien und dem Ohridsee
In "Luft nach unten" geht es um Iva, die in Wien ein Leben als Musikerin an der Seite ihres Mannes Felix führt – doch die Beziehung ist zermürbt, zusätzlich belastet durch einen Kinderwunsch, der bislang unerfüllt geblieben ist und sich wie ein Schatten über den Alltag der beiden legt. Als die Nachricht vom Tod ihres Kindermädchens Marija sie erreicht, bricht Iva unmittelbar auf: zurück zum Hotel Metropolis am Ohridsee, dem Ort ihrer Kindheit, an dem sie einst behütete Sommer im Betrieb ihrer Großeltern verbrachte. Fast zeitgleich muss Ivas Mutter in Slowenien ins Krankenhaus, und die beiden Ereignisse lösen eine Flut von Erinnerungen aus, die Iva zwingen, sich mit dem ambivalenten, oft kühlen Verhältnis zu ihrer Mutter auseinanderzusetzen.
Tamara Štajner verwebt in ihrem Roman gekonnt mehrere große Themen: eine belastete Mutter-Tochter-Beziehung und die transgenerationalen Wunden, die daraus erwachsen, eine toxische Paarbeziehung sowie die schmerzhafte Frage nach der eigenen Mutterrolle. Besonders eindrücklich fand ich die immer wiederkehrenden Passagen, in denen Iva sich in Briefform direkt an ihre Mutter wendet – diese Wechsel zwischen unmittelbarer Handlung und intimen, fast schonungslosen Reflexionen geben dem Roman eine besondere erzählerische Tiefe. Der Schreibstil ist dabei bissig und pointiert, ohne dass die emotionale Wucht der Geschichte verloren geht.
Der Kinderwunsch nimmt über weite Strecken sehr viel Raum ein, was mich anfangs etwas irritiert hat – im Nachhinein wird jedoch klar, wie eng er mit den anderen Themen des Romans verwoben ist und wie sehr er Ivas Ziellosigkeit zwischen Wien und dem Ohridsee widerspiegelt. Auch die häufigen, teils ausufernden Streitszenen zwischen Iva und Felix waren streckenweise schwer auszuhalten, tragen aber zweifellos zur psychologischen Dichte der Geschichte bei. Ich fand sehr spannend, wie man insbesondere in diesen Szenen gemerkt hat, dass Iva ihrer Mutter in einigen Aspekten sehr zu ähneln scheint.
Etwas irreführend fand ich die Ausgangsprämisse: Marija als Kindermädchen steht letztlich gar nicht so sehr im Zentrum, wie der Klappentext vermuten lässt. Vielmehr entfaltet sich eine vielschichtige Geschichte über Herkunft, die Suche nach Familie und die politisch-historischen Verwerfungen des ehemaligen Jugoslawiens. Das Ende wirkte auf mich zudem etwas abrupt und lässt vieles offen. Wahrscheinlich, weil die Lage am Ende des Romans die gleiche ist, wie am Anfang - zumindest, was die Bezeihung zu Felix und auch Gabriel betrifft...
Auch wenn nicht jede Entscheidung der Figuren nachvollziehbar war und das Ende mich etwas ratlos zurückließ, hat mich "Luft nach unten" mit seiner besonderen Erzählstimme und der ehrlichen Auseinandersetzung mit Mutterschaft und Herkunft überzeugt. Ich mochte das Buch und kann es weiterempfehlen.
Tamara Štajner verwebt in ihrem Roman gekonnt mehrere große Themen: eine belastete Mutter-Tochter-Beziehung und die transgenerationalen Wunden, die daraus erwachsen, eine toxische Paarbeziehung sowie die schmerzhafte Frage nach der eigenen Mutterrolle. Besonders eindrücklich fand ich die immer wiederkehrenden Passagen, in denen Iva sich in Briefform direkt an ihre Mutter wendet – diese Wechsel zwischen unmittelbarer Handlung und intimen, fast schonungslosen Reflexionen geben dem Roman eine besondere erzählerische Tiefe. Der Schreibstil ist dabei bissig und pointiert, ohne dass die emotionale Wucht der Geschichte verloren geht.
Der Kinderwunsch nimmt über weite Strecken sehr viel Raum ein, was mich anfangs etwas irritiert hat – im Nachhinein wird jedoch klar, wie eng er mit den anderen Themen des Romans verwoben ist und wie sehr er Ivas Ziellosigkeit zwischen Wien und dem Ohridsee widerspiegelt. Auch die häufigen, teils ausufernden Streitszenen zwischen Iva und Felix waren streckenweise schwer auszuhalten, tragen aber zweifellos zur psychologischen Dichte der Geschichte bei. Ich fand sehr spannend, wie man insbesondere in diesen Szenen gemerkt hat, dass Iva ihrer Mutter in einigen Aspekten sehr zu ähneln scheint.
Etwas irreführend fand ich die Ausgangsprämisse: Marija als Kindermädchen steht letztlich gar nicht so sehr im Zentrum, wie der Klappentext vermuten lässt. Vielmehr entfaltet sich eine vielschichtige Geschichte über Herkunft, die Suche nach Familie und die politisch-historischen Verwerfungen des ehemaligen Jugoslawiens. Das Ende wirkte auf mich zudem etwas abrupt und lässt vieles offen. Wahrscheinlich, weil die Lage am Ende des Romans die gleiche ist, wie am Anfang - zumindest, was die Bezeihung zu Felix und auch Gabriel betrifft...
Auch wenn nicht jede Entscheidung der Figuren nachvollziehbar war und das Ende mich etwas ratlos zurückließ, hat mich "Luft nach unten" mit seiner besonderen Erzählstimme und der ehrlichen Auseinandersetzung mit Mutterschaft und Herkunft überzeugt. Ich mochte das Buch und kann es weiterempfehlen.