Zwischen Zumutung und Faszination

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meggie3 Avatar

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Iva ist Mitte Dreißig, Berufsmusikerin in einem Orchester und bringt auch eigene Musik heraus. Sie wurde in Slowenien geboren, hat die Sommer ihrer Kindheit in Nordmazedonien bei der Familie ihres Vaters verbracht und ist früh nach Wien gegangen, um ihre musikalische Karriere zu verfolgen. Inzwischen ist sie seit einigen Jahren mit dem Schauspieler Felix verheiratet, mit dem sie bislang erfolglos versucht, ein Kind zu bekommen. Als Iva zur Beerdigung von Marija nach Nordmazedonien reist, die in Ivas Kindheit auf sie aufgepasst hat, stößt sie auf den Namen eines vor langer Zeit ertrunkenen kleinen Mädchens.

In „Luft nach unten“ werden viele unterschiedliche Themen in unterschiedlicher Tiefe behandelt: Die Kinderwunschbehandlung, eine nicht unkomplizierte Ehe, die extrem belastete Beziehung zur Mutter, am Rande auch das im Klappentext angeteaserte Familiengeheimnis, die gesellschaftlichen Herausforderungen nach dem Zerfall Jugoslawiens in Nordmazedonien. Und – aus meiner Sicht leider – das außereheliche Verhältnis mit einem Berliner, das aber fast eher eine zwanghafte Obsession ist. Den letzten Aspekt hätte das Buch aus meiner Sicht überhaupt nicht gebraucht, es gibt genug spannende und durchaus auch interessant umgesetzte Themen. Diese zweite „Beziehung“ hat mich leider eher ermüdet. Iva ist als Charakter schon vielschichtig und letztlich komplex genug, da waren für mich die ständigen Gedanken, Schuldgefühle und Nachrichten definitiv zu viel des Guten.

Die Mutter-Tochter-Beziehung hingegen fand ich sehr gut umgesetzt, immer wieder auch berührend. Einige Bilder sind beim Lesen entstanden, die ich wirklich eindrücklich fand. Und auch die Schwere der Kinderwunschbehandlung und die damit zusammenhängenden Konflikte mit Felix waren zwar zum Teil heftig und „drüber“, aber für mich trotzdem irgendwie stimmig – wenn auch natürlich absolut unangemessen in der Art und Weise der Ausübung der Konflikte.

Iva ist generell eine sehr streitbare Protagonistin – immer wieder schießt sie klar übers Ziel hinaus, immer wieder gibt es aber auch Kapitel, in denen ich ihr Verhalten nachvollziehen und sogar so etwas wie Sympathie für sie entwickeln konnte. Auch andere Charaktere in dem Roman sind zum Teil schwer einzuordnen und widersprüchlich in ihrem Verhalten. Das hat es mir beim Lesen zum Teil erschwert, emotional so richtig mitzugehen.

Der Roman lässt sich – trotz immer wieder eingestreuter slowenischer Sätze oder Worte – wirklich gut lesen, gleichzeitig fand ich das Lesen aus bereits benannten Gründen immer wieder schwer auszuhalten. Wie Iva zum Teil mit Felix spricht und schreibt, ist für mich ein absolutes No-Go. Die Hängepartie um ihre Affäre ganz genauso. Und trotzdem hat mich dieser Roman irgendwie fasziniert und gefesselt.

Für mich bleibt am Schluss ein eher ambivalentes Gefühl, so richtig weiß ich nicht, wie ich den Roman jetzt eigentlich gefunden habe. Insofern fällt es mir auch schwer, eine Bewertung in Form von Punkten und eine Empfehlung abzugeben. Vielleicht war es für mich nicht der richtige Zeitpunkt, denn so richtig konnte mich der Roman trotz vieler guter Ideen und Ansätze leider nicht überzeugen.