Wer klaut schon eine Leiche??

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
verhei Avatar

Von

Dr. Berthe Saunier, auch Madame Mort genannt, arbeitet in der Gerichtsmedizin von Nimes in der Provence. Doch gemeinsam mit ihrem Mann César wohnt sie in St. Pierre, einem eher beschaulichen Ort mit ausreichend Abstand zu ihrem Arbeitsort Nimes. Als eine Frau im Ort in den Wehen liegt und die Hebamme nicht zeitnah auftaucht, wird Berthe gerufen. Dabei erfährt sie durch die kleine Dorfversammlung vor Ort, dass Gustave Moreau, Onkel ihres Gemüsehändlers, verstorben ist. Doch dem nicht genug, bei einem Einbruch beim Bestatter Comtant wurde neben etwas Geld auch die Leiche des Onkels entwendet. Auch wenn der Fall nicht in ihrem direkten beruflichen Zuständigkeitsgebiet liegt, fängt Madame Mort an Erkundigungen einzuholen.

Dies ist nun der erste Band einer neuen Reihe des bekannten Autors Pierre Lagrange. Bekannt ist dieser für die durchwegs lange Serie von Krimis aus der Provence. Ermittler war jedes Mal Commissaire Albin Leclerc, doch Dr. Berthe Saunier hatte schon ihren Auftritt als Gerichtsmedizinerin.

Welch ein Glück kann man als Ort nur haben, wenn Madame Mort zufällig in eine Ermittlung stolpert. Gut der Täter möge es anders sehen, aber sie hat wahrlich Talent zur Ermittlung. Sie ist eine neugierige, charmante Ermittlerin - markant durch rote Brille und knallgrünem Auto. Und genauso agiert sie auch: etwas eigen. Immerhin führt sie Zwiegespräche mit ihrem Kunststoffskelett Hugo aus Studienzeiten und plant schon den Mord an ihrem Nachbarn, als der in der Nacht anfängt Musik zu machen. Doch auch die Nebencharaktere sind charmant, teilweise auch skurril: Wie ihr ausgleichender Mann César, der sich mit dem Nachbarn anfreundet und gemeinsam Musik macht. Laborleiter Dr. Pascal Laroche, der ein Auge auf Berthe geworfen zu haben scheint und sie mit Süßigkeiten versorgt. Besonders unterhaltsam fand ich auch die resolute Madame Moreau mit ihren scharfen etwas bissigen Kommentaren und ihrer alten Waffe im Einkaufsbeutel.

Der Schreibstil ist flüssig und man darf sich auf viele humorvolle, ja skurrile Szenen freuen – wie eine ältere Frau, die eben eine ebenso alte Waffe mit sich trägt und mit den Kugeln haushalten muss. Oder ein Bürgermeister der mit Schärpe bei einer Geburt auftaucht. Neben diesen Szenen mit viel Situationskomik, schafft es der Autor aber auch ausreichend Lebensgefühl aus der Provence mitzutransportieren. Man sollte ein Croissant bereitlegen.

Der Fall als solches erscheint glaubhaft. Man trifft auf so manche alten Geheimnisse der Dorfbewohnter und eigenartigen und altmodischen Bräuchen im Dorf. Im Stil der klassischen Kriminalfälle werden Hinweise kombiniert und man kommt ohne große Gewalt aus.

Im Gegensatz zur anderen Provence- Reihe des Autors ist die Ermittlung hier etwas chaotischer, das Verbrechen harmloser und die Charaktere des Dorfes doch skurriler. Ich wurde grandios unterhalten.

Also ein Cozy-Crime aus der Provence mit einer charmanten Ermittlerin und viel Humor.