Interessantes Jugendbuch

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moongirl Avatar

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3,5 von 5 Sternen
Ich habe bisher noch kein Buch von Daniela Dröscher gelesen, weil mich ihre bisherigen Bücher thematisch nie besonders angesprochen haben. Mädchen allein zu zweit hat dagegen sofort mein Interesse geweckt, vor allem wegen der Themen, die der Jugendroman behandelt.
Der Roman wird aus Issas Sicht erzählt. Besonders gut gefallen hat mir dabei, wie nah man an ihren Gedanken ist. Diese springen manchmal wie ein Ping-Pong-Ball zwischen den unterschiedlichsten Sorgen und Gefühlen hin und her: den Geldsorgen ihrer Familie, ihrer Freundin Grace, ihrer Schwester Livvie und dem ersten Verliebtsein. Dadurch wirkt Issa sehr authentisch, weil sie nicht wie eine perfekt durchdachte Romanfigur wirkt, sondern wie ein echtes Mädchen mit widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen.
Obwohl die Geschichte hauptsächlich aus Issas Perspektive erzählt wird, bekommt man durch Graces „Alphabet des Geldes“ und durch Livvies geheimes Tagebuch immer wieder kurze Einblicke in andere Sichtweisen. Diese Einschübe haben mir gut gefallen, weil sie die Figuren noch einmal aus anderen Blickwinkeln zeigen und deutlich machen, dass jede Person ihre eigene Perspektive auf die Dinge hat.
Besonders positiv finde ich, dass das Buch viele Themen aufgreift, die häufig tabuisiert oder nicht ausreichend besprochen werden. Es geht um finanzielle Sorgen, die Lebensrealität alleinerziehender Familien, Körperbilder, Unsicherheiten und den Umgang mit dem eigenen Körper. Ich finde es wichtig, dass solche Themen in einem Jugendbuch ihren Platz finden. Gleichzeitig liegt genau hier auch eine meiner größten Kritikpunkte. Das Buch ist mit weniger als 200 Seiten relativ kurz und behandelt dafür sehr viele unterschiedliche Themen. Während mir die Themenauswahl grundsätzlich sehr gut gefallen hat, hatte ich oft das Gefühl, dass vieles nur angerissen wird. Besonders gegen Ende wurden viele Konflikte und Themen sehr schnell aufgelöst, fast so, als hätte man noch möglichst viel unterbringen wollen. Dadurch wirkten manche Entwicklungen für mich etwas oberflächlich und ich hatte am Ende das Gefühl, dass noch sehr viel gefehlt hat.
Gerade weil der Anfang des Buches mich sehr überzeugt hat, war ich vom weiteren Verlauf etwas enttäuscht. Die Geschichte hatte für mich viel Potenzial, aber dieses wurde meiner Meinung nach nicht vollständig ausgeschöpft. Das Ende konnte mich deshalb nicht ganz abholen, weil viele Dinge eher abgearbeitet wurden, anstatt ihnen wirklich Raum zu geben. Auch mit dem Schreibstil hatte ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Insgesamt mochte ich ihn und das Buch ließ sich gut lesen. Trotzdem gab es einzelne Passagen, die sich für mich etwas ungewohnt angefühlt haben und mich kurz aus dem Lesefluss gebracht haben.
Insgesamt ist Mädchen allein zu zweit ein Buch mit einer sehr interessanten Themenauswahl und einer starken Grundidee. Besonders Issas Perspektive und die Auseinandersetzung mit Themen, über die oft geschwiegen wird, haben mir gefallen. Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl zurück, dass aus dieser Geschichte noch deutlich mehr hätte gemacht werden können.