Ungeschönt

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noiram Avatar

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Diese Leseprobe hat mich sofort mitten in ein flimmerndes, staubiges Sommergefühl hineingezogen. Annika Büsing schafft es ab der ersten Seite, eine ganz eigene, herrlich unpolierte Atmosphäre aufzubauen. Es riecht nach Heu, nach Provinz, nach Fanta-Korn und – ziemlich skurril – nach toten Pferden, die im heißen Sommer illegal entsorgt werden müssen.
​Was mich auf diesen wenigen Seiten komplett abgeholt hat, ist die Stimme der Erzählerin Marie. Sie ist wunderbar pragmatisch, ein bisschen muffig und blickt mit einem unbestechlichen, klaren Auge auf ihre Welt. Die Dynamik zwischen ihr und Paul, genannt „Magisch“, der nach fünfzehn Jahren plötzlich wieder in Schlappen vor ihrer Tür steht, hat sofort mein Interesse geweckt. Da ist diese ganz tiefe, unaufdringliche Vertrautheit aus Jugendtagen, die man beim Lesen in jedem Satz spürt.
​Die Rückblenden in die gemeinsame Teenagerzeit, das erste vorsichtige Verlieben und die gemeinsame Sprachlosigkeit sind so echt und feinfühlig beschrieben, dass die Figuren sofort lebendig werden. Gleichzeitig deutet die Leseprobe an, dass unter der ländlichen Idylle harte Konflikte brodeln – sei es durch Pauls Schulden oder durch Maries Bruder Andi, der mit seinen subtilen Drohgebärden eine ganz unterschwellige Spannung in die Geschichte bringt.