Alles ist relativ

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Magisch – Annika Büsing
1) Cover und Titel
Das hellblaue Buchcover mit knallgelber Aufschrift "Magisch", zieht einen direkt in den Bann. Handelt es sich um "fantastische Tierwesen", wie der abgedruckte Kuhrücken vermuten lässt, eine Person oder ist das Leben magisch?

2) Kurzer Überblick
In diesem Roman der Autorin Annika Büsing, wird der Zwiespalt zwischen Familie, politischen Überzeugungen und den eigenen Werten deutlich. Nur weil ein Mensch mit einem verwandt ist, muss man ihn nicht mögen, nicht lieben oder respektieren? Und nur weil ein nahestehender Mensch eine konträre politische Ansicht besitzt, muss man ihn nicht hassen, kann ihn sogar lieben oder ihm zumindest Menschlichkeit entgegenbringen, oder?
Das ist die zentrale Frage, um die sich die Protagonisten des Romans drehen.

3) Zusammenfassung
Marie und Magisch: M&M. Vor 15 Jahren ein Liebespaar und jetzt mit Mitte dreißig? Das Leben kam dazwischen. Andi kam dazwischen. Und Marie und Magisch gehen eigene Wege. Doch Marie kehrt zu ihren Eltern ins Ruhrgebiet zurück und bald darauf ist auch Magisch wieder da. Magisch, mit dem Marie so viel verbindet und ein harter Panzer, den sie sich aufgebaut hat und sich niemals eingestehen würde, dass sie ihm gegenüber immer noch etwas fühlt.
Vielleicht hat sie den Panzer wegen Andie, ihrem Bruder. "Das waren die Ausländer", "Ich sag nur wie es ist" scheint sein Lebensmotto zu sein. Menschenverachtend ist das. So sieht das Marie. Sie versucht sich abzugrenzen von diesem Mann, ihrem Bruder und gleichzeitig vermisst sie ihn. Ihn wie er als Kind war. Doch sie muss sich schützen und aushalten das ihre Eltern Andi lieben und sie ihn, auch wenn sie das nicht will.

4) Umsetzung Thema der Geschichte
Annika Büsing baut die Geschichte langsam auf, auch wenn man direkt ins Geschehen geworfen wird. Von Kapitel zu Kapitel werden mehr Akteure beschrieben, die sich gut in die Handlung einfügen. Sie thematisiert mit ihrem Roman wichtige Themen: Was, wenn in der eigenen Familie ein Nazi existiert und was, wenn man die Liebe seines Lebens ziehen lässt, weil man es nicht besser wusste? Was ist, wenn Familie zerbricht und sich woanders eine neue aufbaut? Neben dieser familiären Spaltung schafft es die Autorin, diese auf den gesellschaftlichen Kontext zu übertragen. Und sie macht einmal mehr deutlich, wie sehr Menschen miteinander verbunden sind.

5) Schreibstil
Als Leser fliegt man regelrecht durch das Buch, aufgrund der leichten Sprache. Darum eignet es sich auch für junge Leser. Immer wieder werden Wortspiele eingebaut und es zeigt sich ein eigener Stil im Schriftbild. Manchmal ist es allerdings etwas zäh, nicht aufgrund des Themas oder der Akteure, sondern weil ein sich immer wiederkehrendes Muster abzeichnet. Es gibt einen bestimmten Hinweis und man macht sich seine Gedanken, was er alles bedeuten könnte. Und im nächsten Kapitel wird es aufgeklärt. Und oft ist aber schon beim Hinweis klar in welche Richtung die Handlung verläuft. Man wünscht sich, direkt mehr Kontext und dieses Muster bringt etwas Ruheloses in das Buch und dehnt es an mancher Stelle aus.

6) Figuren
Es sind authentische Figuren. Mit Voranschreiten des Romans kann man sich zunehmend in diese hineinversetzen. Trotzdem wäre etwas mehr Kontext bei den Hauptprotagonisten wünschenswert und manch einer Randfigur wird etwas zu wenig Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht geschenkt.

7) Einzigartig
Das Buch ist so besonders, da es eine Thematik aufgreift, die oft nicht in dieser Deutlichkeit aufgezeigt wird. Es regt zum Nachdenken an und kann gerade junge Leser mitreißen und dazu anregen Haltung in unserer Gesellschaft anzunehmen.

8) Fazit
Das Leben besteht aus immer wiederkehrenden Kreisläufen. Kreisläufen um die gleichen Menschen, Erfahrungen und Fragen. Dies zeigt die Autorin, mit ihrer Geschichte deutlich auf. Leben ist nicht linear, wird nicht immer besser oder nur schlechter. Es ist nicht schwarz und weiß, sondern gelb und blau. Gelb steht für Hoffnung und blau für die Kälte und Dunkelheit, die in uns allen wohnt. Und es geht darum Ambiguität auszuhalten, zu erkennen und seinem Platz in dem ganzen zu finden. Denn alles ist relativ.

Leser, die Lust auf kritisches Denken, hinterfragen und Liebesgeschichten haben, sind mit diesem Buch gut beraten.