Ein absolut lesenswerter Roman!

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Worum geht’s?

Mitte Dreißig kehrt Marie wieder in ihren Heimatort am Rande des Ruhrgebiets zurück. Auch Paul Magisch ist nach dem Tod seiner Mutter wieder in seinen Elternhaus gezogen und verdient sich dort seinen Lebensunterhalt mit der illegalen Entsorgung von toten Tieren. So überrascht der erste Satz nicht, denn „Tote Pferde kriegt man kaum noch los.“
Die beiden waren früher das Punkpärchen im Ort und schnell entwickeln sie wieder starke Gefühle für einander.
„Wir haben uns angesehen, und ich wollte weglaufen und dableiben für immer.“ diese wunderbare Liebesgeschichte könnte den Roman eigentlich schon füllen, doch der eigentliche Konflikt entsteht dadurch, dass Maries Bruder Andi in die rechte Szene abgedriftet ist. Bereits in seiner Jugend hat er Magisch krankenhausreif geprügelt und auch heute noch sind er seine Kumpels schnell zur Stelle, wenn es um Vorurteile, Gewalt oder demonstrative Spaziergänge am Asylantenheim vorbei geht.
Wie geht eine Familie damit um, wenn sich einer zum Nazi entwickelt? Woher kommt das rechte Gedankengut, das man ja nicht mit der Muttermilch aufgesaugt hat und auch nicht jeder Nazi hatte eine schlechte Kindheit. Was kann man überhaupt dagegen tun, wie bäumt man sich auf? Das alles kann natürlich auch die Autoren nicht restlos beantworten, sie kann aber diese Themen in einen tollen Roman packen, der genauso überall in Deutschland hätte geschehen können.
Ich fand es großartig, wie Annika Büsing Alltagsszenen realistisch darstellen kann. Die Dialoge zwischen Marie und Magisch wirken so, als würde man nebendran stehen und immer gerne zuhören. Die Autorin ist meiner Meinung nach eine richtig gute Erzählerin!
Über die Sprachebene kann man allerdings etwas diskutieren. Einerseits passt der etwas rauhe und schnoddrige Stil perfekt zum Text, andererseits wirkt er auch etwas sperrig und schroff.
Nach der Lektüre werden auch bei euch essenzielle Fragen aufkommen. Wie würdet ihr so mit eurem Nazi-Bruder umgehen?
Und am Ende vielleicht nicht gerade Versöhnung, aber doch so etwas ähnliches. Das fand ich schön!

Lest das bitte selbst unbedingt nach! Wir können den Roman auf jeden Fall empfehlen!