Kannst du einen Menschen 15 Jahre lang vermissen, ohne es dir nur ein einziges Mal einzugestehen?

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downey_jr Avatar

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Die 36jährige Ich-Erzählerin Marie wohnt mit 36 nach einer Trennung wieder (nicht ganz freiwillig) bei ihren Eltern am Rande des Ruhrgebiets, wo sie nun eine Hundetagesstätte betreibt, anstatt als Lehrerin zu arbeiten.

„15 Jahre. Mal dir diese Zahl aus. 15 Sommer, 15 Winter. In 15 Jahren kannst du dir ein Leben aufbauen, dein Leben nicht mögen und es wieder verwerfen.“

Und auch Paul Magisch ist wieder zurück. Marie und er kennen sich seit dem Kindergarten, er war ihr bester Freund und dann waren sie ein Paar, das berüchtigte „Punker-Pärchen“ des Dorfes - bis sie ihn verließ. Magisch zog daraufhin auch weg, arbeitete als Musiker, die beiden hatten keinen Kontakt.

„Aber kannst du einen Menschen 15 Jahre lang vermissen, ohne es dir nur ein einziges Mal einzugestehen?“

Nun lebt „Magisch“ im Haus seiner verstorbenen Mutter und hält sich mit einem nicht wirklich legalen Job über Wasser, er „entsorgt“ tote Pferde und andere Tiere.
Zwischen Marie und Magisch ist auch nach 15 Jahren ihre große Verbundenheit noch spürbar.

„...jetzt sitzen sie unten am Feldweg bei der Pferdekoppel im Schatten der Büsche und trinken Fanta-Korn, als wären sie nie weg gewesen.“

Schnell wird klar, dass beide noch Gefühle füreinander haben. Leider gibt es da auch noch Andi: Maries Bruder, der sich mittlerweile von einem rassistischen, ungehobelten Jugengdlichen zu einem radikalen, überzeugten Nazi und aktiven Mitglied einer rechten Partei entwickelt hat. Seit Andi Magisch damals krankenhausreif geschlagen hat, ist Maries Verhältnis zu ihm mehr als distanziert. Als Andi auch jetzt Magisch bedroht, eskaliert die Lage. Während ihre Eltern eher passiv bzw. hilflos mit der Radikalisierung ihres Sohnes umgehen, will Marie nicht länger wegsehen. Denn ihr ist jetzt klar geworden: Sie liebt Magisch noch immer und will ihre zweite Chance nicht in den Sand setzen. Dazu muss sie sich gegen ihren Bruder stellen …

Ich liebe Annika Büsings unverwechselbaren Schreibstil schon immer: punkig-rotzig, direkt und ungeschönt. Das macht auch ihre Charaktere sehr authentisch; oft sind es Außenseiter, gescheiterte Existenzen. Ihre Geschichten haben stets Tiefgang, Herz und Humor. Ich habe alle ihre Romane verschlungen, und auch „Magisch“ hat mich verzaubert: Sowohl der gleichnamige Protagonist, der sowas von sympathisch rüberkommt, als auch das Buch insgesamt: Ein ganz besonderer Roman, der die Frage, wie man mit Rechtsextremismus innerhalb der eigenen Familie umgeht, sehr klug und berührend mit einer Erzählung über Liebe und zweite Chancen verbindet.

Dieses Buch bekommt von mir 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung: einfach magisch!

Vielen Dank an den Fischer Verlag & an Vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚