Von Magisch verzaubert

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angie99 Avatar

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Hach. Es gibt sie also noch: Bücher, die man schon nach wenigen Seiten ins Herzen schließt und am Ende nicht zuklappen möchte… - „Magisch“ gehört dazu!
Von Anfang an hat mich der Schreibstil begeistert: offenherzig, direkt und ziemlich schnodderig. Hach, ja, ich liebe es einfach, wenn die Umgangssprache Einzug in Büchern findet, das gibt mir so dieses Gefühl von: ich könnte mich jetzt da dazusetzen und mitplaudern, und niemand würde sich über meine ungehobelten Ausdrücke beschweren, sondern eher so: zack, in dieser Runde von Bekloppten fühl ich mich sofort wohl! Mit diesem warmen, freundschaftlichen Gefühl im Bauch bin ich also durch dieses Buch gerast, und da war es sogar egal, dass es zu einem großen Teil aus Liebesgeschichte besteht – Liebesgedöns, ach du mein Schreck, das ist ja sogar nicht mein Ding, aber die Story zwischen Marie und Paul hat mein Herz erweicht, gerade, weil sie so schön kantig ist. Wahrscheinlich kann man sie erst verstehen, wenn man selber 36+ (bei mir sind das gleich ein paar Plusse mehr) ist und langsam merkt, dass man die eine oder andere Chance in seiner Jugend gründlich vermasselt hat. Tja, das gibt’s. Schön, dass es das eben auch noch in Romanen gibt.
Neben dem zweiten Frühling der Ich-Erzählerin geht es auch noch um ihren Bruder, der blöderweise Nazi ist. Nazi zu sein ist unter aller Sau, aber wieso wird jemand so? Und wieso jemand aus der eigenen Familie? Hier eröffnet sich ein großer Konflikt: was gilt mehr, der familiäre Zusammenhalt oder unüberbrückbare politische Differenzen? Wie ist es möglich, jemandem beizustehen, den man eigentlich hasst? Büsing veranschaulicht diesen Konflikt mit klaren Worten, aber ohne Gut-Böse-Stammtisch-Sprüche. Vielmehr zeigt sie uns ein sehr menschliches Bild von einer zerrissenen Familie auf mit lauter Menschen, die es nicht richtig gemacht haben, weil sie gar nicht wissen, wie man es richtiger machen könnte. Ich habe sehr mitgefühlt, weil mir dieser Konflikt nur allzu bekannt ist.
Es ist diese Menschlichkeit und das Zugeständnis, dass auch Romanfiguren Fehler machen dürfen, das dieses Buch so zugänglich und liebenswürdig macht.
Darüber hinaus habe ich selten so witzige Wahres-Leben-Dialoge gelesen wie hier, allein dafür hat sich die Lektüre schon mehr als gelohnt.
„… (er) stützt sich mit einer Hand an einem Baum ab und kotzt da in den Farn. Er würgt so lange, bis ihm die Tränen kommen. Wir stehen daneben. ‚Ich hatte beim Kotzen mal Möhrenstücke in der Nase‘, sagt Magisch. ‚Zauberhaft‘, sage ich.“ (S. 278)
Zauberhaft ist auf jeden Fall das Wort, das mir für dieses Buch einfällt! Annika Büsing hat mir mit Magisch und vor allem ihrer ganz speziellen Sprach-Magie ein Lese-Highlight geschenkt!