Aus Schwestern werden Rivalinnen
„Maja und Natascha“ von Elyse Durham erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch ihr Leben lang miteinander verbunden bleiben. Ihr Leben beginnt unter denkbar schweren Umständen.1941 werden sie während der Blockade Leningrads geboren. Ihre Mutter, eine Ballerina, nimmt sich das Leben. Trotzdem treten beide in ihre Fußstapfen und verfolgen denselben Traum am berühmten Kirow-Ballett zu tanzen. Doch am Ende ist nur Platz für eine von ihnen.
Besonders mochte ich, wie eindringlich die Leidenschaft der beiden für das Ballett beschrieben wird. Es ist für sie weit mehr als nur Tanz. Es gibt ihrem Leben Halt, verlangt ihnen aber auch alles ab. Sie trainieren bis an ihre Grenzen, nehmen Schmerzen und Entbehrungen in Kauf und ordnen diesem einen Traum alles unter. Gerade dieser Zwiespalt hat mir gut gefallen, nämlich dass das Ballett ihnen einerseits Hoffnung und Perspektive schenkt, anderseits nimmt es ihnen Leichtigkeit und Freiheit. Die Welt des sowjetischen Elite-Balletts wirkt dabei faszinierend und erschreckend zugleich.
Auch die Verbindung zwischen der persönlichen Geschichte und den historischen Ereignissen ist der Autorin gut gelungen. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zeigt sie, wie sehr das sowjetische Regime das Leben der Menschen kontrollierte und sie für politische Interessen instrumentalisierte. Der Druck von außen treibt die Schwestern immer weiter auseinander.
Der Roman hat für mich zwischendurch etwas den Schwung verloren. Die vielen Rückblicke und Gedanken haben die Geschichte immer wieder unterbrochen, sodass sie sich an manchen Stellen etwas gezogen hat. Dazu kam die durchgehend schwere Stimmung. Natürlich passt sie zur Geschichte. Auf Dauer war mir die düstere Stimmung etwas zu präsent.