Frostige Schwesterndynamik inmitten des Kalten Kriegs

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merleredbird Avatar

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Danke an Harper Collins Verlag und Vorablesen, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Die Leseprobe von diesem Buch hatte auf mich eine absolute Sogwirkung. Der Schreibstil fasziniert, und mit den angedeuteten Vorgriffen in die Zukunft bleibt eine gewisse Grundspannung da. Wir lernen die Zwillinge Maja und Natascha nach ihrer Geburt kennen, mitten in der Kompanie des Kirow-Ballettes in Russland, kurz vor dem Einmarsch deutscher Truppen. Nicht unbedingt der beste Start ins Leben…
Nach einem Zeitsprung befinden wir uns in Teil 1 im Abschlussjahr der Schwestern an der Waganowa-Ballettakademie und es wird klar, dass nur eine der Schwestern in die Kompagnie aufgenommen werden kann. Denn das Ballett geht auch auf Tournee in die USA und ein neues Gesetz erlaubt es nicht mehr, dass mehrere Familienmitglieder gleichzeitig Russland verlassen… Es zeichnen sich also noch mehr Konflikte ab: Wie weit geht das Band der Schwestern? Wo überwiegt die Liebe zum Tanz?

„Früher hatte sie geglaubt, an andere gebunden zu sein, sei fast wie Sklaverei. Doch ein Leben, das man einzig dem Streben nach dem eigenen Glück widmete, war ein Leben ohne Liebe, und ohne Liebe zu leben, hieß nicht, dass man frei war, sondern sein eigener Sklave.“ (S. 409)

Aber leider, leider hat das Buch für mich nicht an den grandiosen Anfang anknüpfen können. Das Buch besteht aus insgesamt drei Teilen und beinhaltet Zeitsprünge. Der 1. Teil geht bis zum Ende des Schuljahres an der Waganowa, und genau da haben für mich die Spannungen begonnen, und dann: puff, Zeitsprung. Jahre später. Der Konflikt wirkt erstmal ausgebadet, die tolle Ballettatmosphäre ist weg. Die Vorgriffe auf die Zukunft werden nicht aufgegriffen…

Wir bewegen uns in der historischen Welt des Balletts und der Sowjetunion. Ich selber habe Ballett nach der Waganowa-Methode gelernt und bin gleichzeitig großer Fan von den Werken des Choreographen George Balanchine und des New Yorker Balletts. Diese beiden Welten prallen hier zusammen; gleichzeitig geht es auch viel um Verfilmungen von Krieg und Frieden, und auch das fand ich spannend. Trotzdem fand ich, dass das Buch hier viel Potential verschenkt.

Es werden immer wieder echte Personen und historische Ereignisse aufgegriffen, aber gleichzeitig wird ein Vorwissen vorausgesetzt, weil nicht alles immer richtig erklärt wird (Wobei ich das Nachwort der Autorin positiv hervorheben möchte, wo sie sehr ausführlich erklärt, was auf wahren Begebenheiten beruht und wo sie sich hat inspirieren lassen bzw. auch welche Fakten sie verändert hat!).

Zudem hatte ich gehofft, dass der Fokus auf den beiden Schwestern und ihrem Konflikt liegt, vielleicht sogar die Suche nach dem unbekannten Vater. Stattdessen gibt es viele Zeitsprünge, die den Spannungsbogen ständig unterbrechen; die Schwestern leben ihr Leben so vor sich hin und gehen sich aus dem Weg. Ihre Probleme miteinander ignorieren sie und es gibt überhaupt keine Reflexion oder Charakterentwicklung. Dementsprechend fand ich das Ende auch sehr unbefriedigend, weil für mich es genau an diesem Punkt eigentlich erst spannend wurde.

Ich mochte den Schreibstil, ich fand auch das Setting und den historischen Kontext an sich toll, aber wie gesagt konnten mich weder Handlung noch Charaktere so richtig überzeugen. Von mir gibt es 3 Sterne.