Krieg oder Frieden?
„Maja und Natascha“, der erste Roman von Elyse Durham, erschienen 2026 bei HarperCollins, erzählt die Geschichte der Zwillingsschwestern Maja und Natascha, aufgespannt zwischen Russland und den USA zur Zeit des Kalten Krieges und des Eisernen Vorhangs. Teilweise auf realen historischen Ereignissen und Figuren basierend, in großen Teilen aber fiktiv überschrieben, nimmt die Autorin uns mit auf eine bewegende Reise der Kultur und zwischen den Kulturen und zeichnet vor allem eine berührende Schwesterbeziehung mit allen Höhen und Tiefen.
Beginnend in Leningrad 1941, werden die Zwillingsschwestern am Tag der Evakuierung geboren und ihre Mutter Elisaweta, Profitänzerin am berühmten Kirow-Ballett, bringt sich nach der Geburt um, da sie mit den Zwillingen keinerlei Hoffnung mehr auf eine Zukunft sieht. Ihre Freundin und ebenfalls Balletttänzerin Katuscha zieht die beide Schwestern auf, opfert dafür ihre Karriere und arbeitet zukünftig in der Kostümabteilung des Balletts.
Die Handlung springt ins Jahr 1958, die beiden nun 17-jährigen Schwestern sind in der Ausbildung an der Waganowa Ballettakademie und könnten unterschiedlicher nicht sein: Natascha ist begabter und präsenter, aber auch leichtsinnig und verblendet, Maja ist eher die Arbeiterin im Ballett und versteckt sich hinter ihrer Schwester. Als die Ausbildung sich dem Ende nähert und klar wird, dass nur eine der Schwestern ins berühmte Kirow-Ensemble aufgenommen werden wird, da dieses durchs Ausland touren wird und die russische Politik in der Zeit immer nur ein Familienmitglied ins Ausland reisen ließ und den Rest der Familie als Geisel zurückbehielt, trifft Maja eine schicksalshafte Entscheidung.
Der Roman liest sich leicht und lässt den Dingen Zeit, sich auszubreiten, zu entstehen. Durham schreibt lebendig und atmosphärisch, sie greift die Emotionen ihrer Figuren genau und macht sie nachvollziehbar in den vielen Wendungen, die sie ihnen schreibt. Die Zeit des Kalten Krieges ersteht wieder auf – und darin entfaltet das Buch eine erschreckende Aktualität, Durham beschreibt die Umstände sehr gut und häufig mit leichter Absurdität. Kultur als Propagandainstrument wird genauso erlebbar wie die Künstler:innenseele, die ohne die Kunst nur vegetieren, nie aber leben kann. Die immer größer werdende Konkurrenz und Entfremdung der Schwestern geht einem ans Herz, vor allem, weil hier beide Seiten gleichermaßen Täterin wie Opfer werden. Die Figur von Natascha geht dabei zurück auf die Tänzerin und Schauspielerin Ljudmila Michailowna Saweljewa und auch der im Buch Raum einnehmende 4-Teiler Krieg und Frieden ist historisch. Die Kunst von Elyse Durham ist es, dass Historie und Fiktion wirklich nicht unterscheidbar sind beim Lesen, Präsenz und Detailreichtum ist gleich stark.
Ein kleiner Kritikpunkt sind so einige doch unglaubwürdige Konstruktionen und Momente (die ich nicht konkret benennen kann, ohne zu spoilern). Die tragen nicht so groß auf, haben mich aber doch gestört, ebenso wie das elegische Erzähltempo im Verlauf doch etwas mehr Zug hätte vertragen können. Insgesamt liegt hier aber ein wirklich schöner und atmosphärisch reicher Roman vor, bei dem insbesondere die Schwesternbeziehung und die durch die Schwestern sehr konkret erlebbare Geschichte des letzten Jahrhunderts wirklich gelungen sind. Lesen lohnt sich hier, insbesondere, wenn ein Interesse für Ballett und Film vorliegt, aber auch sonst enttäuscht die Geschichte zu keinem Zeitpunkt.
Ein großes Dankeschön an vorablesen.de und HarperCollins für das Rezensionsexemplar!
Beginnend in Leningrad 1941, werden die Zwillingsschwestern am Tag der Evakuierung geboren und ihre Mutter Elisaweta, Profitänzerin am berühmten Kirow-Ballett, bringt sich nach der Geburt um, da sie mit den Zwillingen keinerlei Hoffnung mehr auf eine Zukunft sieht. Ihre Freundin und ebenfalls Balletttänzerin Katuscha zieht die beide Schwestern auf, opfert dafür ihre Karriere und arbeitet zukünftig in der Kostümabteilung des Balletts.
Die Handlung springt ins Jahr 1958, die beiden nun 17-jährigen Schwestern sind in der Ausbildung an der Waganowa Ballettakademie und könnten unterschiedlicher nicht sein: Natascha ist begabter und präsenter, aber auch leichtsinnig und verblendet, Maja ist eher die Arbeiterin im Ballett und versteckt sich hinter ihrer Schwester. Als die Ausbildung sich dem Ende nähert und klar wird, dass nur eine der Schwestern ins berühmte Kirow-Ensemble aufgenommen werden wird, da dieses durchs Ausland touren wird und die russische Politik in der Zeit immer nur ein Familienmitglied ins Ausland reisen ließ und den Rest der Familie als Geisel zurückbehielt, trifft Maja eine schicksalshafte Entscheidung.
Der Roman liest sich leicht und lässt den Dingen Zeit, sich auszubreiten, zu entstehen. Durham schreibt lebendig und atmosphärisch, sie greift die Emotionen ihrer Figuren genau und macht sie nachvollziehbar in den vielen Wendungen, die sie ihnen schreibt. Die Zeit des Kalten Krieges ersteht wieder auf – und darin entfaltet das Buch eine erschreckende Aktualität, Durham beschreibt die Umstände sehr gut und häufig mit leichter Absurdität. Kultur als Propagandainstrument wird genauso erlebbar wie die Künstler:innenseele, die ohne die Kunst nur vegetieren, nie aber leben kann. Die immer größer werdende Konkurrenz und Entfremdung der Schwestern geht einem ans Herz, vor allem, weil hier beide Seiten gleichermaßen Täterin wie Opfer werden. Die Figur von Natascha geht dabei zurück auf die Tänzerin und Schauspielerin Ljudmila Michailowna Saweljewa und auch der im Buch Raum einnehmende 4-Teiler Krieg und Frieden ist historisch. Die Kunst von Elyse Durham ist es, dass Historie und Fiktion wirklich nicht unterscheidbar sind beim Lesen, Präsenz und Detailreichtum ist gleich stark.
Ein kleiner Kritikpunkt sind so einige doch unglaubwürdige Konstruktionen und Momente (die ich nicht konkret benennen kann, ohne zu spoilern). Die tragen nicht so groß auf, haben mich aber doch gestört, ebenso wie das elegische Erzähltempo im Verlauf doch etwas mehr Zug hätte vertragen können. Insgesamt liegt hier aber ein wirklich schöner und atmosphärisch reicher Roman vor, bei dem insbesondere die Schwesternbeziehung und die durch die Schwestern sehr konkret erlebbare Geschichte des letzten Jahrhunderts wirklich gelungen sind. Lesen lohnt sich hier, insbesondere, wenn ein Interesse für Ballett und Film vorliegt, aber auch sonst enttäuscht die Geschichte zu keinem Zeitpunkt.
Ein großes Dankeschön an vorablesen.de und HarperCollins für das Rezensionsexemplar!