Ungleiche Schwestern mit gleichen Träumen

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1958, die Zeit des kalten Krieges und des eisernen Vorhangs: die Zwillinge Maja und Natascha wachsen inmitten Russlands an der einer der besten Ballettschulen Russlands auf. Das Ziel? Ins weltberühmte Kirow-Corps aufgenommen zu werden und auf Welttournee tanzen zu dürfen. Doch gesetzlich festgelegt darf immer nur eine Person pro Familie gleichzeitig das Land verlassen – nur eine von ihnen darf aufgenommen werden. Durch den Druck von außen werden aus Schwestern Konkurrentinnen und was auf dem Spiel steht, ist nicht weniger als das erträumte Leben und die eigene Zukunft.
Die Autorin schafft es meisterhaft, den Leser zum Reflektieren anzuregen. Wie hätte ich in dieser Situation gehandelt? Wäre es mir gelungen, unter diesen Voraussetzungen und diesem Druck weiterhin meinen Moralvorstellungen treu zu bleiben? Psychologisch gesehen hat mich das Buch absolut in seinen Bann gezogen. Nicht nur Maja und Natascha sind komplett unterschiedliche Persönlichkeiten, die tief ausgearbeitet und verständlich sind. Auch die Nebenfiguren sind facettenreich und absolut menschlich gestaltet. Ich war zwischen den verschiedenen Parteien immer wieder hin – und hergerissen, meistens habe ich beide verstehen können, trotzdem war ich manchmal ein wenig mehr auf Nataschas, mal ein wenig mehr auf Majas Seite. Und genau dieses Mitfühlen hat dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte, ich habe mit den Charakteren mitgefühlt und oft auch mitgelitten. Dadurch, dass keiner der Figuren perfekt ist, wurden Entscheidungen getroffen, die mich nachdenklich gemacht haben, mich wütend oder enttäuscht zurückgelassen haben oder absolut überrascht haben.
Das Buch überzeugt ebenso mit seinen historisch-politischen Bezügen, die von der Autorin sorgfältig recherchiert und überzeugend eingebettet wurden. Da sich der Roman über einen längeren Zeitraum erstreckt, gelingt eine glaubwürdige und oft sehr selbstreflektierte Entwicklung der Figuren, gerade der beiden Zwillinge. Auch die Entscheidungen und Lebensverläufe der Charakter sind in die Lebensumstände und die damalige gesellschaftliche Atmosphäre absolut nachvollziehbar und glaubwürdig. Das sorgte bei mir für eine bildhafte Vorstellung der Orte und Ereignisse und für einen flüssigen, angenehmen Lesefluss.

Ich kann das Buch nur allen wärmstens ans Herz legen, die Romane mit psychologischer Tiefe schätzen, die lange nachhallen. Auch für Menschen, die historische Romane mögen, ist dieses Buch eine klare Leseempfehlung.