Auf nach Redu

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
hoelzchen Avatar

Von

Gibt es in Europa noch einen Ort, in welchem die Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Stunde Internetzugang am Tag zufrieden sind? Ja, in Redu. Ein Ort in den belgischen Ardennen mit einer Einwohnerzahl von 390 Menschen. Sie zeigen uns, dass man auch ohne das weltweite Netz glücklich und zufrieden sein kann und konzentrieren sich auf andere Dinge. So stehen dort handwerkliche Fähigkeiten im Vordergrund und man liest sehr viel. So gibt es hier 13 Buchhandlungen, die alle ihre Berechtigung haben. Durch Zufall landet die 27jährige Französin Marie in diesem Ort. Nach dem Tod ihrer Mutter und Tante gibt es keine Familie mehr für sie und nichts hält sie in Paris. Sie sehnt sich nach einer Auszeit, so soll es also Redu sein. Sie findet Unterschlupf bei Jonina, einer 50 Jahre älteren gebürtigen Isländerin. Auch Jonia führt eine Buchhandlung in diesem Bücherdorf. Eines Tages ist Jonina verschwunden. Marie bleibt in Redu und kümmert sich um Joninas Laden. Bei ihren täglichen Spaziergängen mit dem Hund Anneliese, trifft sie Mathilde, die im ähnlichen Alter wie Jonina ist. Zu Beginn ist Mathilde wortkarg und kann Marie nichts abgewinnen. Sie hadert mit einem Verlust. Doch nach und nach taut sie auf und zwischen ihr und Marie entwickelt sich eine innige Freundschaft. Mathilde gibt preis, was sie bedrückt und Marie unterstützt sie dabei, wieder den Weg ins Leben zu finden.
Schon das Buchcover ist so sanft bebildert, wie dieser Roman geschrieben ist. Es ist eine leise Geschichte, die wir hier lesen dürfen, die sich vor allen Dingen durch die detaillierten Naturbeschreibungen auszeichnet. Auch die Figuren bewegen sich harmonisch durch die Handlung und passen sich dem langsamen Tempo an. Wirklich viel passiert eigentlich nicht, doch dem Autor gelingt es hervorragend diese ganz spezielle Stimmung einzufangen und abzubilden. Mehr braucht es nicht. Es ist ein absolutes Wohlfühlbuch. Anzumerken ist, dass es Redu wirklich gibt, lediglich die Handlungen und die Figuren sind fiktiv. Sprachlich versteht Torsten Woywod sein Handwerk, man merkt jeder Zeile seine Liebe zu Büchern an. Ist er doch vom Beruf Buchhändler. Welch Überraschung. Geschickt versteckt er Hinweise zu Büchern und spricht damit verdeckt Buchempfehlungen aus. An einigen Stellen hat die Geschichte ihre Längen, doch kann man darüber charmant hinweglächeln. Nicht unerwähnt bleiben sollte das Nachwort, es rundet das Gelesene perfekt ab und regt zum Nachdenken an. Sehr gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus.