charmanter Wohlfühlroman

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bobbember Avatar

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„Mathilde und Marie“ ist ein warmherziger, leiser Roman, der mich mit seinem Setting und seiner Atmosphäre sofort für sich eingenommen hat – auch wenn er für mich nicht ganz so perfekt war, wie viele andere Stimmen es beschreiben.

Die Geschichte spielt in Redu, diesem kleinen Bücherdorf in den belgischen Ardennen, in dem die Uhren gefühlt langsamer ticken. Umgeben von Wäldern, Flüssen und Hügeln scheint die Zeit hier kein Feind, sondern ein alter Bekannter zu sein. Es gibt nur einen Fernseher im Ort, das Internet ist streng limitiert, und selbst der schiefe Kirchturm mit seiner unzuverlässigen Uhr wird eher mit einem Achselzucken als mit Sorge betrachtet. Dieses leicht aus der Welt gefallene Dorf hat einen ganz eigenen Zauber – entschleunigt, eigenwillig und voller kleiner Schrullen.

Als die junge Französin Marie ins Dorf kommt, bringt sie frischen Wind mit. Mit ihr zieht nicht nur der Frühling ein, sondern auch Bewegung in die festgefahrenen Strukturen. Besonders Mathilde, die eher mürrisch und zurückgezogen durchs Leben geht, kann sich dieser Veränderung nicht entziehen. Die Annäherung zwischen den beiden ist zart erzählt, voller leiser Momente und kleiner Gesten.

Vom Flair her hat mich das Buch stellenweise sehr an Der Buchspazierer von Carsten Henn erinnert: Diese Liebe zu Büchern, dieses Gefühl von Gemeinschaft, diese sanfte Melancholie, gepaart mit Hoffnung und Menschlichkeit. Auch hier stehen zwischenmenschliche Begegnungen im Mittelpunkt, die zeigen, wie sehr wir einander brauchen – selbst (oder gerade) in den ruhigsten Winkeln der Welt.

Warum „nur“ vier Sterne? So sehr ich die Atmosphäre genossen habe, so sehr blieb für mich manches ein wenig vorhersehbar. Die Entwicklung war süß und stimmig, aber selten überraschend. Ich habe mich wohlgefühlt beim Lesen – aber ich wurde emotional nicht ganz so tief getroffen, wie ich es mir erhofft hatte.

Trotzdem ist „Mathilde und Marie“ ein charmanter Wohlfühlroman über Neuanfänge, über das Auftauen alter Herzen und darüber, dass es manchmal nur eine Person braucht, um ein ganzes Dorf – oder zumindest einen einzelnen Menschen – wieder zum Blühen zu bringen. Süß, warm und absolut lesenswert.