Ein Bücherdorf zur Selbstfindung

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wonderland09 Avatar

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Gestaltung:
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Das Titelbild zeigt das Dorf, in dem die Handlung spielt, und verbreitet bereits eine idyllische Atmosphäre. Das Buch ist als Hardcover sehr wertig, vor allem das rote Lesebändchen gefiel mir gut.

Inhalt:
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»Dann sage ich eben noch etwas - und zwar etwas ganz Wesentliches: Hier im Dorf wird die Zeit als Freund und nicht als Gegner empfunden. Bei uns geht es nicht darum, möglichst viele Dinge in immer kürzerer Zeit zu erledigen, sondern sich den Dingen mit vollständiger Hingabe und Aufmerksamkeit zuzuwenden. Weniger ist mehr, mehr ist weniger.« (S. 39, Mathilde)

Die junge Frau Marie befindet sich gerade auf einer Reise: Weg von Paris, wohin weiß sie noch nicht. Sie hat einige Schicksalsschläge hinter sich und sucht einen neuen Sinn in ihrem Leben. Da begegnet sie im Zug der alten Jónína, die sie mit in ihr Dorf in den Bergen nimmt. Der Name dieses Ortes lautet "Redu" und leitet sich vom Begriff "réduire" (Anmerkung: reduzieren) ab. Hier beschränken sich die Bewohner auf das Wesentliche: nur eine Stunde Internet am Tag, viel Zeit, viele Buchläden und Bücher.
Marie findet hier neue Freunde und kommt dem Geheimnis der alten Mathilde auf die Spur.

Mein Eindruck:
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Als Büchernärrin hat mich der Klappentext direkt angesprochen. Die Erzählung ist sehr beschaulich und in einem ruhigen Stil geschrieben. Man wird bereits durch das Lesen entschleunigt. Entsprechend dauert es auch länger, bis etwas passiert. Ich muss zugeben, dass ich etwas ungeduldig wurde, denn im ersten Drittel geht es vorwiegend um Marie und Jónína und ich wartete nur darauf, dass endlich Mathilde ihren großen Auftritt hat. Doch der folgte unerwartet recht spät und nimmt auch erst zum Ende einen bedeutenden Part ein.
Das Ziel dieses Romans ist offenkundig eine Sensibilisierung für Bücher, die Schönheit der Literatur und für mehr Achtsamkeit und Entschleunigung in unserer aktuellen, schnelllebigen und unruhigen Zeit. Das ist dem Autor gelungen, allerdings setzt er einen so starken Fokus auf die genannten Ziele, dass die Handlung sehr konstruiert wirkt. Man hat beim Lesen zudem häufig das Gefühl eines erhobenen, belehrenden Zeigefingers. Die Figuren werfen nahezu mit Sprüchen und Phrasen um sich, wie sie in einem Kalender mit Lebensweisheiten stehen könnten. Das lässt die Dialoge wenig authentisch und hölzern wirken.
Die Idee der Geschichte gefiel mir daher sehr gut, die Umsetzung leider weniger. Es ist eine nette Hommage an die Literatur und regt an manchen Stellen zum Nachdenken an.
Insgesamt hat das Buch leider bei mir nur einen mäßigen Eindruck hinterlassen, weswegen ich 2,5 Sterne vergebe, die ich auf 3 aufrunde.

Fazit:
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Ein Plädoyer für Entschleunigung und eine Hommage an die Literatur – die Umsetzung wirkt zu konstruiert und konnte nicht ganz überzeugen