Eine Hommage an das Lesen

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schwedenbiene Avatar

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Marie ist Paris einfach viel zu laut und auch viel zu hektisch.
Am frühen Morgen des 6. März folgt sie mal nicht ihrem Kopf, sondern einem unbestimmten Gefühl, und kauft sich ein Ticket für den TGV.
Ohne konkretes Reiseziel landet sie schließlich in Redu, einem kleinen Bücherdorf in den belgischen Ardennen, wo die Zeit anders zu verlaufen scheint.
Im ganzen Dorf gibt es nur einen Fernseher, das Internet ist nur eine Stunde am Tag verfügbar. Die Turmuhr ist schon länger aus dem Takt gekommen.
Aber das stört die 390 Bewohner jedoch kein bisschen.
Schnell wird Marie von der Dorfgemeinschaft aufgenommen und trifft dabei auch auf die sehr zurückgezogen lebende Mathilde. Als die beiden erkennen, wie sehr sie beide die Natur lieben, entsteht nach und nach eine Freundschaft.

In diesem schönen Roman wird die Zeit als Freund und nicht als Gegner empfunden.
Obwohl es so einige Problematiken gibt, überträgt sich das nicht auf den Leser. Die Figuren und ihre Entwicklungen sind sehr feinfühlig beschrieben.
Die Stimmung wird wunderbar dargestellt und man kann sich sehr gut
in die Geschichte hineinversetzen.
Diese ist nicht besonders aufregend, aber es ist ein Genuss, ihren Alltag
zu erleben. Die Charaktere sind bis in die kleinste Rolle sehr überzeugend und ausdrucksstark.
Das alles wird mit einer schönen, etwas blumigen Sprache atmosphärisch dicht erzählt, mit viel Sinn für die Details des Lebens.
Leider verliert sich der Autor zeitweilig zu sehr in den Details.
Das ergibt Längen und unterbricht den Lesefluss.
Trotzdem ist es ein Wohlfühlroman, der zum Nachdenken anhält.
Das Richtige, um mal dem Alltagsstress zu entfliehen.