eine nette, unaufgeregte Geschichte

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kerstin aus obernbeck Avatar

Von

Mathilde und Marie / Torsten Woywod

Nach persönlichen Krisen verlässt die 26-jährige Marie überstürzt Paris, ohne klares Ziel, innerlich erschöpft und orientierungslos. In einem Zug begegnet sie Jónína, einer warmherzigen Frau aus Redu, einem kleinen belgischen Bücherdorf in den Ardennen. Spontan folgt Marie ihrer Einladung und findet sich in einem Ort wieder, der wie ein Gegenentwurf zur modernen Welt wirkt: kaum Internet, kein Mobilfunknetz, dafür Natur, Stille und unzählige Buchläden.

Während Marie langsam zur Ruhe kommt, beginnt ein Prozess der Selbstfindung. Sie lernt Mathilde kennen, die zunächst verschlossen wirkt, aber eigene seelische Wunden trägt. Zwischen Spaziergängen, Jahreszeitenwechseln und Gesprächen über Bücher entstehen vorsichtige Beziehungen. Redu wird zum Schutzraum, in dem beide Frauen sich ihren Verletzungen stellen und überlegen, welchen Weg sie künftig gehen wollen – fern von Hektik, näher an Achtsamkeit und echten Begegnungen.


Torsten Woywod, der mit Leonard und Paul eines meiner Alltime-Favourite-Bücher nach Deutschland gebracht hat, legt nun einen eigenen Roman vor, und auch hier stehen besondere Menschen mit feinen Charakterzügen im Mittelpunkt. Gleichzeitig spürt man auf jeder Seite seine Liebe zu Büchern, denn Mathilde und Marie erzählt eine Geschichte voller Bücherliebe.

Ich habe die warme Grundstimmung, die Liebe zu Büchern und die ruhige Atmosphäre sehr gespürt und mag die Botschaft zur Entschleunigung – auch wenn sie doch sehr häufig wiederholt wird. Die Geschichte ist ruhig, bietet keine Aufreger oder unnötigen Konflikte, liest sich dadurch ab der zweiten Buchhälfte jedoch auch ein wenig langatmig. Ich habe mich in Redu wohlgefühlt, und Mathilde und Marie bleiben mir in guter Erinnerung.

Wer auf der Suche nach einer unaufgeregten Geschichte ist, wird das Buch mögen.