Entschleunigend

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
kalligrafin Avatar

Von

Selten hat mich ein Roman so sehr berüht wie "Mathilde und Marie" von Thorsten Woywod, den ich absolut genossen habe, in aller Ruhe und Langsamkeit zu lesen.

Die junge Marie flüchtet überstürzt aus dem lauten Paris und kommt bei ihrer Zugbekanntschaft Jóniná unter. Die ältere Dame lebt im belgischen Bücherdorf Redu in den Ardennen, wo es keinen Handyempfang und nur die Natur zum Entdecken gibt. Und genau das lernt Marie mit der Zeit – sie macht eine Entwicklung durch, die glaubhaft und entzückend ist.

Dann gibt es noch die Nachbarin Mathilde, die sich einigelt und nur für sich Tagebuch schreibt. Bei allen Figuren erlebt man eine Entwicklung, die voller Wärme, Empathie und Herzensgüte steckt. Zudem gibt es spannende Momente, die sich nach und nach aufbauen und auf ihre Art gelöst werden.

Die Kapitel handeln immer von einer der drei Figuren, sind jedoch aus der Perspektive eines neutralen Erzählers geschrieben.

Am besten hat mir gefallen, wie Marie die Natur für sich entdeckt. Hinzu kommen weitere Bereiche wie etwa das Papierschöpfen, das Brotbacken, das Kochen von Marmelade oder französischen Klassikern. All diese Dinge bereiten auch mir viel Freude und sind ein Instument für mich, achtsam zu leben.

Die Wortwahl des Autors ist so klar und am liebsten würde ich ständig aus dem Roman zitieren, denn es gibt so viele Passagen, die das Leben würdigen und zur Fürsorge unter den Mitmenschen aufrufen.

Fazit: Wenn ich könnte, würde ich noch mehr Sterne und eine klare Leseempfehlung geben. Dieses Buch hat mich auf so vielen Ebenen berührt, gefesselt und unterhalten. Selten lese ich einen Roman erneut, aber zum Entschleunigen (in der nächsten Fastenzeit) nehme ich mir diesen Roman noch einmal vor. Über eine Verfilmung würde ich mich ebenfalls freuen!