Idee top, Umsetzung für mich...
Mit Mathilde und Marie (336 Seiten, erschienen am 15.01.2026 bei dtv Verlag) legt Torsten Woywod seinen ersten eigenen Roman vor. Er arbeitete als Buchhändler und im Online-Marketing. Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv Verlag und lovelybooks.de als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke dafür.
Zum Inhalt
Im Mittelpunkt steht das belgische Bücherdorf Redu, ein Ort der Entschleunigung: kaum Internet, viel Natur, eine enge Gemeinschaft. Die Französin Marie strandet dort eher zufällig und begegnet Jónína, einer Buchhändlerin, die Menschen zu lesen versteht. Nach und nach findet Marie nicht nur Anschluss an die Dorfgemeinschaft, sondern auch ein Stück weit zu sich selbst und schließlich auch zur titelgebenden Mathilde.
Meine Meinung
Was mir wirklich gut gefallen hat, war das Vorwort und die Motivation des Autors. Besonders dieser Satz ist mir hängen geblieben:
„In einer Zeit, in der wir uns immer häufiger mit der Frage konfrontiert sehen, ob die Welt allmählich aus den Fugen gerät … dürfen wir all das Gute nicht aus den Augen verlieren, das weiterhin existiert.“ (S. 9) Diese Haltung, also die Dankbarkeit gegenüber Buchhändler:innen und eine Liebeserklärung an das Lesen zieht sich spürbar durch den gesamten Roman. Alleine das hat mich auf jeden Fall schonmal sehr angesprochen.
Atmosphärisch ist Redu wunderschön gezeichnet. Wälder, Walnussbrot, Vögel, Pflanzen. Das Dorf wirkt fast magisch, wie ein Gegenentwurf zur schnellen, digitalen Welt. Und auch das Grundthema des Buches wird mit einigen traurig schönen Zitaten gut rübergebracht:
„Die Trauer ist für mich eine Sackgasse. Ein dunkler Schatten, der mir überallhin folgt. Sie hält sich an keine Regel, nur die Vehemenz ihres Auftretens variiert. Manchmal kommt sie langsam herangerollt wie ein Sommergewitter, das schon in der Ferne grollt und kracht. Wenn es dann da ist, lässt es keinen klaren Gedanken mehr zu. Ein anderes Mal erscheint sie plötzlich und mit voller Wucht. Wie ein Hexenschuss und dessen körperliches Echo.“ (S. 79)
Schwieriger wurde es für mich bei den zahlreichen Lebensweisheiten, die sich teilweise wie aneinandergereihte Kalendersprüche lesen:
„Ein erfülltes Leben lässt sich nicht am Reißbrett planen.“ (S. 60) oder „Vielleicht bedeutet dieses vermeintlich einfache Leben auf dem Land gar keinen Rückschritt, sondern eine leise Heimkehr zu mir selbst.“ (S. 260/261) Hier hatte ich oft das Gefühl, eher einen Ratgeber in Romanform zu lesen. Auch die Dialoge wirkten auf mich stellenweise konstruiert und sehr pathetisch, was es mir erschwert hat, emotional wirklich einzutauchen. Konflikte lösten sich zudem recht schnell auf, vieles blieb harmonisch und „zu glatt“.
Was ich wiederum mochte: die Grundidee eines Ortes, an dem Bücher Menschen zusammenbringen, und der Gedanke, dass Literatur Gemeinschaft stiften kann. Der abschließende Wunsch „auf ein Mehr an Miteinander“ (S. 332) ist zweifellos schön, nur hat mich der Weg dorthin erzählerisch leider nicht überzeugt.
Fazit
Mathilde und Marie ist eine sanfte, naturverbundene Liebeserklärung an Bücher und Gemeinschaft. Für Leser:innen, die entschleunigte Dorfgeschichten, viel Naturbeschreibung und lebensphilosophische Gedanken mögen, dürfte dieser Roman genau richtig sein. Wer jedoch kantigere Figuren, natürlichere Dialoge und mehr erzählerische Reibung sucht, wird sich – so wie ich – möglicherweise schwertun.
Zum Inhalt
Im Mittelpunkt steht das belgische Bücherdorf Redu, ein Ort der Entschleunigung: kaum Internet, viel Natur, eine enge Gemeinschaft. Die Französin Marie strandet dort eher zufällig und begegnet Jónína, einer Buchhändlerin, die Menschen zu lesen versteht. Nach und nach findet Marie nicht nur Anschluss an die Dorfgemeinschaft, sondern auch ein Stück weit zu sich selbst und schließlich auch zur titelgebenden Mathilde.
Meine Meinung
Was mir wirklich gut gefallen hat, war das Vorwort und die Motivation des Autors. Besonders dieser Satz ist mir hängen geblieben:
„In einer Zeit, in der wir uns immer häufiger mit der Frage konfrontiert sehen, ob die Welt allmählich aus den Fugen gerät … dürfen wir all das Gute nicht aus den Augen verlieren, das weiterhin existiert.“ (S. 9) Diese Haltung, also die Dankbarkeit gegenüber Buchhändler:innen und eine Liebeserklärung an das Lesen zieht sich spürbar durch den gesamten Roman. Alleine das hat mich auf jeden Fall schonmal sehr angesprochen.
Atmosphärisch ist Redu wunderschön gezeichnet. Wälder, Walnussbrot, Vögel, Pflanzen. Das Dorf wirkt fast magisch, wie ein Gegenentwurf zur schnellen, digitalen Welt. Und auch das Grundthema des Buches wird mit einigen traurig schönen Zitaten gut rübergebracht:
„Die Trauer ist für mich eine Sackgasse. Ein dunkler Schatten, der mir überallhin folgt. Sie hält sich an keine Regel, nur die Vehemenz ihres Auftretens variiert. Manchmal kommt sie langsam herangerollt wie ein Sommergewitter, das schon in der Ferne grollt und kracht. Wenn es dann da ist, lässt es keinen klaren Gedanken mehr zu. Ein anderes Mal erscheint sie plötzlich und mit voller Wucht. Wie ein Hexenschuss und dessen körperliches Echo.“ (S. 79)
Schwieriger wurde es für mich bei den zahlreichen Lebensweisheiten, die sich teilweise wie aneinandergereihte Kalendersprüche lesen:
„Ein erfülltes Leben lässt sich nicht am Reißbrett planen.“ (S. 60) oder „Vielleicht bedeutet dieses vermeintlich einfache Leben auf dem Land gar keinen Rückschritt, sondern eine leise Heimkehr zu mir selbst.“ (S. 260/261) Hier hatte ich oft das Gefühl, eher einen Ratgeber in Romanform zu lesen. Auch die Dialoge wirkten auf mich stellenweise konstruiert und sehr pathetisch, was es mir erschwert hat, emotional wirklich einzutauchen. Konflikte lösten sich zudem recht schnell auf, vieles blieb harmonisch und „zu glatt“.
Was ich wiederum mochte: die Grundidee eines Ortes, an dem Bücher Menschen zusammenbringen, und der Gedanke, dass Literatur Gemeinschaft stiften kann. Der abschließende Wunsch „auf ein Mehr an Miteinander“ (S. 332) ist zweifellos schön, nur hat mich der Weg dorthin erzählerisch leider nicht überzeugt.
Fazit
Mathilde und Marie ist eine sanfte, naturverbundene Liebeserklärung an Bücher und Gemeinschaft. Für Leser:innen, die entschleunigte Dorfgeschichten, viel Naturbeschreibung und lebensphilosophische Gedanken mögen, dürfte dieser Roman genau richtig sein. Wer jedoch kantigere Figuren, natürlichere Dialoge und mehr erzählerische Reibung sucht, wird sich – so wie ich – möglicherweise schwertun.