Nette Idee, aber nicht überzeugend
Der Klappentext des Romans Mathilde und Marie von Thorsten Woywod weckte mein Interesse, da ich literarische Texte, die sich selbstreflexiv mit dem Medium Buch auseinandersetzen, grundsätzlich mit besonderer Aufmerksamkeit lese. Im Zentrum der Handlung steht die junge Protagonistin Marie, die Paris verlässt, ohne über eine konkrete Zukunftsperspektive zu verfügen. Eher durch eine Verkettung zufälliger Umstände gelangt sie in das belgische Bücherdorf Redu, einen abgelegenen Ort in den Ardennen, der im Roman als weitgehend entzogen von zeitgenössischen Beschleunigungs- und Rationalisierungsprozessen inszeniert wird. Dort nimmt Marie eine Tätigkeit in einer Buchhandlung auf und beginnt allmählich, soziale Beziehungen zu den Dorfbewohner*innen aufzubauen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Begegnung mit Mathilde, einer älteren Frau, die Marie zunächst mit Distanz und Zurückhaltung begegnet.
Redu fungiert im Roman als Raum der Entschleunigung, in dem soziale Interaktionen intensiver, unmittelbarer und vermeintlich authentischer erscheinen als in der urbanen Außenwelt. Gespräche erhalten ein besonderes Gewicht, zwischenmenschliche Nähe wird als selbstverständlich dargestellt, und alltägliche Gesten erfahren eine hohe symbolische Aufladung. Dadurch entsteht rasch der Eindruck einer idealisierten Gegenwelt, die als implizite Kritik an modernen, hektischen Lebensformen gelesen werden kann. Diese Konzeption blieb für mich jedoch zu eindimensional, da Konflikte, Brüche oder ambivalente Entwicklungen weitgehend ausgespart bleiben.
Die Erzählweise ist stark entschleunigt und verzichtet nahezu vollständig auf dramatische Zuspitzungen. Für meinen persönlichen Leseeindruck resultierte daraus ein Mangel an narrativer Dynamik. Die Figuren wirken in ihrer Charakterzeichnung auffallend glatt und bleiben teilweise schwer zugänglich. Insbesondere die Dorfgemeinschaft erscheint weniger als ein organisch gewachsenes soziales Gefüge denn als bewusst konstruierte Projektionsfläche. Ihre nahezu konfliktfreie Geschlossenheit erzeugte bei mir zeitweise eine befremdliche, beinahe sektenhafte Anmutung. Menschliche Schwächen, innere Widersprüche oder moralische Ambivalenzen treten kaum in Erscheinung.
Der zentrale Kritikpunkt meiner Lektüre betrifft jedoch den Sprachstil. Die Prosa ist insgesamt stark stilisiert und durchgehend von Pathos und Kitsch geprägt. Naturbeschreibungen, innere Monologe sowie emotionale Zustände werden häufig überhöht und metaphorisch aufgeladen, was bei mir eine distanzierende Wirkung erzeugte. Gerade in den Naturdarstellungen lässt sich jedoch nachvollziehen, weshalb der Roman von vielen Leser*innen als entschleunigend und wohltuend wahrgenommen wird.
Insgesamt vermochte Mathilde und Marie mich nicht zu überzeugen. Die starke Idealisierung des Schauplatzes, der pathetisch anmutende Sprachstil sowie das weitgehende Fehlen konflikthafter Strukturen erschwerten meine Lektüre zunehmend. Zudem blieb die Auseinandersetzung mit Büchern und Literatur, die ich erwartet hatte, für meinen Eindruck zu marginal.
Redu fungiert im Roman als Raum der Entschleunigung, in dem soziale Interaktionen intensiver, unmittelbarer und vermeintlich authentischer erscheinen als in der urbanen Außenwelt. Gespräche erhalten ein besonderes Gewicht, zwischenmenschliche Nähe wird als selbstverständlich dargestellt, und alltägliche Gesten erfahren eine hohe symbolische Aufladung. Dadurch entsteht rasch der Eindruck einer idealisierten Gegenwelt, die als implizite Kritik an modernen, hektischen Lebensformen gelesen werden kann. Diese Konzeption blieb für mich jedoch zu eindimensional, da Konflikte, Brüche oder ambivalente Entwicklungen weitgehend ausgespart bleiben.
Die Erzählweise ist stark entschleunigt und verzichtet nahezu vollständig auf dramatische Zuspitzungen. Für meinen persönlichen Leseeindruck resultierte daraus ein Mangel an narrativer Dynamik. Die Figuren wirken in ihrer Charakterzeichnung auffallend glatt und bleiben teilweise schwer zugänglich. Insbesondere die Dorfgemeinschaft erscheint weniger als ein organisch gewachsenes soziales Gefüge denn als bewusst konstruierte Projektionsfläche. Ihre nahezu konfliktfreie Geschlossenheit erzeugte bei mir zeitweise eine befremdliche, beinahe sektenhafte Anmutung. Menschliche Schwächen, innere Widersprüche oder moralische Ambivalenzen treten kaum in Erscheinung.
Der zentrale Kritikpunkt meiner Lektüre betrifft jedoch den Sprachstil. Die Prosa ist insgesamt stark stilisiert und durchgehend von Pathos und Kitsch geprägt. Naturbeschreibungen, innere Monologe sowie emotionale Zustände werden häufig überhöht und metaphorisch aufgeladen, was bei mir eine distanzierende Wirkung erzeugte. Gerade in den Naturdarstellungen lässt sich jedoch nachvollziehen, weshalb der Roman von vielen Leser*innen als entschleunigend und wohltuend wahrgenommen wird.
Insgesamt vermochte Mathilde und Marie mich nicht zu überzeugen. Die starke Idealisierung des Schauplatzes, der pathetisch anmutende Sprachstil sowie das weitgehende Fehlen konflikthafter Strukturen erschwerten meine Lektüre zunehmend. Zudem blieb die Auseinandersetzung mit Büchern und Literatur, die ich erwartet hatte, für meinen Eindruck zu marginal.