Ruhig, athmosphärisch, langsam

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nähpummelchen Avatar

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Dieses Buch nimmt uns mit auf die bewegende Reise einer jungen in Paris lebenden Frau, die vor ihrem Leben in der Stadt und der Stadt selbst zu fliehen versucht. Wohin, ist egal. Blind wählt sie einen Zug in irgendeine Richtung. Hauptsache weg und raus. Im Zug lernt sie eine ältere Frau kennen, Jónína, und es scheint, als könne sie Menschen lesen. Die ersten Worte, die sie an Marie richtet, sind eine Frage, die Marie sehr unerwartet treffen. Die Frau lädt sie ein, sie in ihr Dorf zu begleiten. Es ist ein sehr kleines, sehr abgelegenes Dort inmitten der belgischen Ardennen, in denen die Zeit wortwörtlich anders läuft. Mit einer Turmuhr, die jedem eine zweite Chance gibt, einer Stunde Internetempfang am Tag und nur einem Fernseher für weniger als 400 Einwohner scheint es wirklich sehr aus der Zeit gefallen. Aus einer kurzen Auszeit, die sich Marie nehmen wollte, wird eine sehr lange Zeit, denn Marie findet in dem Dorf, wonach sie gar nicht wusste, dass sie danach sucht. Nachdem Jónína überraschend und heimlich für eine anders geartete Auszeit das Dorf verlassen muss, kommt Marie mit ihrer Nachbarin Mathilde ins Gespräch und trotz sehr vehementer anfänglicher Skepsis oder Abneigung seitens Mathilde, lernen die beiden einander näher kennen und entdecken, wie gut sie einander tun.
Mir gefällt, wie langsam und athmophärisch der Roman geschrieben ist, obgleich ich einige Dialoge als zu gestelzt und unnatürlich empfunden habe. Mir gefällt auch, dass hauptsächlich Frauen in diesem Roman die Geschichte erzählen, und dass sich für Marie nicht noch eine Liebesgeschichte daraus entwickelt, sondern es einzig um sie geht.