Sanft erzählt, stark berührend

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
silawicker Avatar

Von

Mathilde und Marie ist ein warmherziges, einfühlsames Buch – ruhig erzählt und dennoch voller Spannung im Zwischenmenschlichen. Schon von den ersten Seiten an fühlte ich mich den Figuren verbunden: der Französin Marie, der Isländerin Jónína und dem Bäcker Thomas. Anfangs dachte ich sogar, der Roman müsste eher Jónína und Marie heißen. Doch schnell wird deutlich, dass die Beziehung zwischen Mathilde und Marie das eigentliche Herzstück dieser Geschichte ist.
Es ist die Geschichte zweier Frauen aus unterschiedlichen Generationen, die trotz ihrer Unterschiede eine Verbindung zueinander finden – eine Verbindung, aus der sich eine tiefe, stille Freundschaft entwickelt. Der Roman zeigt auf berührende Weise, dass weniger manchmal mehr ist. Dass man nicht alles aussprechen oder zerreden muss. Dass es nicht entscheidend ist, sofort die gesamte Lebensgeschichte seines Gegenübers zu kennen, um dennoch füreinander da zu sein.
Gleichzeitig erinnert das Buch daran, dass man im Leben nicht immer einen Plan braucht, um anzukommen. Wie wichtig die Zwischentöne sind. Dass man seine Bauchgefühle oder die innere Stimme nicht ignorieren sollte. Nicht immer hat die Vernunft recht – manchmal muss man einfach in sich hineinspüren, um herauszufinden, was wirklich richtig ist.
Für mich war dieses Buch ein echtes Wohlfühlerlebnis. Eine Geschichte, in die ich mich fallen lassen konnte – entspannen, durchatmen, Zeile für Zeile genießen. Torsten Woywod schreibt so schön und unaufdringlich, dass man die Charaktere nach und nach immer besser kennenlernt, ohne dass es je konstruiert wirkt.
Ein stilles, liebevoll erzähltes Buch, das lange nachklingt.