Unaufgeregter Wohlfühlroman
In seinem neuen Roman "Mathilde und Marie" nimmt uns Torsten Woywod mit in ein kleines Dörfchen in den Ardennen namens Redu. Hier leben nur wenige Menschen, dafür gibt es um so mehr Buchhandlungen, für uns Buch affine Wesen natürlich ein schöner Gedanke. Eine der sogenannten Institutionen des Dorfes ist die alte Jonina, ebenfalls Inhaberin eines der besagten Buchgeschäfte. Auf einer Zugfahrt lernt sie die junge Marie kennen, die vor ihrem offenbar frustrierenden Leben in Paris geflohen ist u. sich eine Auszeit nehmen möchte. Sie nimmt die junge Frau mit nach Redu, u. als sie selbst krankheitsbedingt ausfällt, überlässt sie ihr spontan die Leitung ihres Ladens. Ebenfalls in Rudu lebt die etwas seltsame zurückgezogene Mathilde, die vor kurzem ihren Ehemann verloren hat und sehr unter der Trauer leidet. Offenbar scheint der Verstorbene ein Geheimnis gehabt zu haben, das es zu lüften gilt. Torsten Woywod erzählt die Geschichte dieser kleinen Gemeinschaft mit einer teils bewundernswertem teils für mich etwas anstrengenden Ruhe und Unaufgeregtheit. Durch die junge Marie kommt etwas frischer Wind in das verschlafene Dörfchen, dessen Einwohner diesen dringend nötig zu haben scheinen. Auch Mathilde ist Marie bei ihrer Trauerverarbeitung und Geheimnisaufdeckung behilflich, die beiden freunden sich an, was der Titel ja letztendlich vermuten lässt! Der Autor rät mit seinem Buch quasi zu Entschleunigung und menschlicher Empathie. Dies ist ihm wirklich außerordentlich gut gelungen, er hat einen wahren Ruhepol mit dem Dorf Redu geschaffen, das es übrigens tatsächlich zu geben scheint! Hier gibt es kaum Internetempfang, dafür hören sich die Menschen noch wirklich zu, ein tatsächlich sehr schöner Gedanke! Ein Wohlfühlroman par exellence, wie er quasi im Buch steht! An manchen Stellen war es für meinen Geschmack allerdings ein bisschen zu gemächlich.