Wunderschön geschrieben, mit leichten Schwächen

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caro1893 Avatar

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"Mathilde und Marie" erzählt - wie der Titel schon verrät - die Geschichte von Mathilde und Marie. Aber nicht nur die Geschichte der beiden Frauen. Viel mehr erzählt das Buch eine Geschichte eines Bücherdorfes. Eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Über Verlust und das Leben danach. Und über Literatur, Bücher und das Lesen.

Schon die Beschreibung der Geschichte hat mich absolut überzeugt. Ein Buch, in dem es um Bücher geht? Ich bin auf jeden Fall dabei! Ich liebe es, wenn das Lesen in Geschichten eine große Rolle spielt. Und das ist in diesem Buch definitiv der Fall. Redu ist ein Dorf, das aus vielen Buchhandlungen besteht. Die Einwohner lieben Bücher und das Lesen und zelebrieren dies. Zu Beginn der Geschichte war das für mich noch nicht so gut spürbar, wurde aber über die Zeit immer mehr zum Thema.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, war mir aber stellenweise etwas zu ausführlich. Der Autor kann auf jeden Fall schön schreiben und findet immer wieder Beschreibungen für Natur und Umwelt, die das ganze erlebbar machen und auch zum Nachdenken anregen. Für meinen Geschmack waren es stellenweise allerdings etwas zu viele Naturbeschreibungen. Auch wenn diese dafür sorgen, dass man das Dorf und den Wald drumherum förmlich vor Augen hat, so hätte es doch gerne etwas weniger sein dürfen.

Zudem gab es zwischendurch immer wieder Geschehnisse, die so gar nicht zum restlichen Geschehen passen und deren Erwähnung sich förmlich fehl am Platz anfühlt. Man hätte sie problemlos weglassen können, ohne die Geschichte in ihrer Tiefe oder Aussagekraft zu verändern.

Die Charaktere hingegen haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte konzentriert sich tatsächlich auf relativ wenig Charaktere, was ihr absolut gut tut. So bekommt jeder von ihnen eine gewisse Tiefe und spielt auch eine konkrete Rolle in der Geschichte. Als Leserin fiel es mir dadurch auch leicht, den Überblick zu behalten. Ich konnte sie jederzeit gut zuordnen und kam nie durcheinander.

Die Botschaft der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Von Neuanafängen und wie wichtig diese sind. Von Entschleunigung und wie wichtig es ist, dass wir manchmal einfach auch auf uns selbst hören, nach uns selbst schauen und das Tempo aus unserem Leben nehmen. Und von Freundschaften, die wachsen und eine Tiefe erreichen können, die das eigene Leben bereichert. Der Zusammenhalt im kleinen Dorf Redu ist einmalig und ich wünschte mir, dass das im echten Leben auch so sein könnte.

Manche Dinge im Buch sind vielleicht nicht ganz realistisch. Stellenweise habe ich mich dabei erwischt, wie ich versucht habe, Dinge logisch zu hinterfragen, habe aber schnell gemerkt, dass das bei dieser Geschichte nicht nötig ist und auch nicht so sein sollte. Es muss nicht immer alles logisch sein, wenn man in eine Geschichte abtaucht.

Warum letztendlich 3,5 Sterne? Das hat verschiedene Gründe, die ich bereits teilweise in dieser Rezension erwähnt habe. Da sind zum einen die sehr ausführlichen Beschreibungen der Natur. Zum anderen die Dinge, die einfach nicht zur Geschichte passten und die ich eher als Störfaktor, denn als unterstützend für die Geschichte empfunden habe - um was es hier genau geht, kann ich nicht verraten, da ich sonst spoilern würde. Und dann ist da vielleicht auch noch das gewisse Etwas, das mir gefehlt hat, damit das Buch für mich zu einem Highlight wird. Ich habe immer wieder gemerkt, wie das Buch meine Aufmerksamkeit verliert, weil es eben stellenweise sehr ruhig und ohne Highlights abläuft. Grundsätzlich mag ich das sehr gerne und es passt auch total zur Idee der Geschichte. Aber manchmal wäre ich gerne noch etwas gefesselter von der Geschichte gewesen.

Ein Buch mit einer wunderschönen Idee. Wer von uns würde nicht mal gerne ein Bücherdorf besuchen und dort eine kleine Auszeit vom Alltag erleben? Ein Buch, das mich stellenweise verzaubert hat, das mich mitgenommen hat auf eine Reise voller gewaltiger Naturbeschreibungen. Eine Hommage an Bücher und das Lesen und eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Hätte mich das Buch noch mehr gepackt, dann hätte es sicherlich die volle Punktzahl gegeben. So muss ich aus den genannten Gründen, leider 1,5 Punkte abziehen.