zu wenig Tiefgang
Ein Bücherdorf, in dem die Zeit langsamer läuft, sich vor der Haustür die Natur in ihrer Schönheit erstreckt und digital Detox auch unbewusst auf dem Tagesprogramm steht. Das klingt doch wirklich sehr verlockend, wer möchte dort nicht wohnen oder zumindest mal länger Urlaub machen? Genau um dieses Dorf, um Mathilde und Marie und weitere Dorfbewohner geht es in dem Debütroman von Torsten Woywod. Ein auf alt gemachtes Buchcover mit dem Blick auf ein Dorf mit den Bergen im Hintergrund stimmt einen schon vor dem Lesen treffend auf die Geschichte ein. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und dachte es könnte ein Wohlfühl-Roman werden. Leider musste ich ziemlich schnell feststellen, dass ich mich in diesem Bücherdorf nicht wohlfühlen würde und mich die Dorfgemeinschaft auch nicht mit ihrer entschleunigenden Grundeinstellung anstecken konnten. Vielleicht wurde mir in dieser Geschichte sogar mit der Zeit alles ein bisschen zu viel: die zeitlose Idylle hat mich geradezu erdrückt und über weite Strecken war mir die Handlung zu geradlinig und konstruiert. Das eigentliche Erzähltempo schien für mich inkongruent zur erzählerischen Grundlage der Geschichte. So lösten sich Probleme im nu auf und auch die Beziehung von Mathilde und Marie intensivierte sich unrealistisch schnell. Insbesondere hätte ich mir auch eine größere Ambivalenz der Charakter und ihrer Entwicklung im Buch gewünscht. Positiv hervorzuheben sind die wunderbar beschriebenen Naturszenen und das viele Wissen über Vögel und die Umgebung, die es dafür braucht. Bestimmt funktioniert diese Geschichte für viele Menschen, meinen Lesegeschmack hat sie leider nicht getroffen.