Eine intensive und schmerzhafte Neuerzählung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
felicitas.pages Avatar

Von

„Medea“ von Rosie Hewlett war für mich ein absolutes Jahreshighlight und ein Buch, das mich emotional komplett aufgewühlt hat. Selten hat mich eine Geschichte so viele Gefühle gleichzeitig spüren lassen Wut, Trauer, Eifersucht, Mitleid und eine tiefe, schmerzhafte Verbundenheit zu einer Figur. Die Erzählweise ist grandios, dauerhaft spannend und dabei stark charakterfokussiert. Alles fühlt sich eindringlich und nachvollziehbar an, sodass man Medeas Schmerz, ihre Hoffnung und ihre innere Zerrissenheit nicht nur versteht, sondern selbst erlebt.

Ich kannte Medeas Geschichte vorher nicht und war vollkommen ahnungslos, wie sich alles entwickeln würde, was die Lektüre noch intensiver gemacht hat. Die komplexen Beziehungen und Dynamiken wirkten erschreckend zeitlos, denn obwohl es sich um historisches Fantasy handelt, könnten viele dieser Machtverhältnisse genauso gut in der heutigen Welt existieren. Dieses Buch zeigt eindrucksvoll, dass ein Charakter nicht sympathisch sein muss, um Mitgefühl auszulösen.

Die Geschichte baut über Seiten hinweg eine stille, beklemmende Spannung auf, die sich schließlich in einem der emotional intensivsten Höhepunkte entlädt, die ich je gelesen habe. In den letzten Kapiteln musste ich immer wieder innehalten und tief durchatmen. Rosie Hewlett schreibt mit einer Schönheit, die weh tut, jedes Wort trägt Gefühl und Rhythmus in sich. Medea erscheint in ihrer ganzen Macht, ihrem Schmerz und ihrem Schrecken erschütternd vollkommen.

Das ist kein einfaches Retelling, sondern eine Richtigstellung im Namen aller Frauen. Feministisch, düster, ergreifend und eine Geschichte, die mich bitterlich hat weinen lassen und die mich nie wieder loslassen wird.