Gelungene Neuerzählung
Mit Medea gelingt Rosie Hewlett eine überzeugende und moderne Neuerzählung der bekannten griechischen Sage. Der Roman reiht sich problemlos in die aktuelle Welle gelungener Mythennacherzählungen wie Circe oder Psyche & Eros ein. Besonders hervorzuheben ist der Perspektivwechsel von objektiv zu subjektiv. Die Geschichte wird aus Medeas Sicht erzählt und zeichnet ein differenziertes Bild einer Figur, die in klassischen Darstellungen oft als rachsüchtig oder irrational abgestempelt wird. Hewlett macht Medeas Beweggründe und Emotionen nachvollziehbar und hinterfragt damit traditionelle Frauenbilder der Mythologie. Der Schreibstil ist atmosphärisch und flüssig, sodass die Handlung trotz bekannter Vorlage spannend bleibt. Insgesamt ist Medea eine gelungene, tiefgründige und lesenswerte Neuinterpretation.